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600 Jahre
Bischofsburg/Biskupiec

Vorbemerkung

1995 hat die Stadtverwaltung Biskupiec anläßlich der 600 Jahr-Feier eine Festschrift herausgegeben, der folgende deutsche Übersetzung beigefügt ist:

Vorbemerkung
Vorgeschichte
Abriß der Stadtgeschichte
Jahre 1946-1989
Biskupiec heute

Vorgeschichte

Die ältesten Spuren der menschlichen Ansiedlungen im Gebiet von Biskupiec stammen aus der mittleren Steinzeit. Aus der jüngeren Steinzeit und aus den späteren chronologischen Perioden stammen die Funde, die auch Beweise für den ständigen Aufenthalt der Menschen auf diesem Gebiet darstellen. Das sind die Metallgegenstände aus der Bronzezeit und die großen Begräbnisstätten der Lausitzer Kultur. Um die Wende der Zeitalter haben sich endlich die baltischen Völker, die Pruzzen (Preußen) genannt wurden, herauskristallisiert. Aus dem Mittelalter stammen die Spuren der preußischen Ansiedlungen, die nach der Eroberung dieser Gebieten von den Kreuzrittern und nach der Gründung des Bistums von Warmia nicht restlos verschwunden sind.

Abriß der Stadtgeschichte

Bis zu dem Jahre 1370 war das Territorium zwischen Barczew und Reszel das einzige unbewohnte Territorium im Gebiet von Warmia. Im Jahre 1374 hat man die Grenzen zwischen dem Kirchenstaat (das Eigentum der Bischöfe von Warmia) und dem Ordensstaat (das Eigentum der Kreuzritter) abgestimmt und dieses Jahr wurde als der früheste Termin der Errichtung von Henryk Sorbom, dem Bischof von Warmia, einer an der Grenze liegenden Burg, betrachtet. Im Jahre 1395 hat der Bischof das Lokationsprivilegium für eine Stadt ausgestellt, und der Name dieser Stadt stammt von der bischöflichen Burg (Bischofsburg). Die Stadt wurde mit den Wehrmauern mit zwei Toren: Reszelska und Szczycienska umgeben. Biskupiec war der Sitz des Verwaltungsbezirks, der dem Bischof untertan war. Die Oberherrschaft wurde in seinem Namen von einem Burggraf ausgeübt. Dieses Amt wurde mit der Vernichtung der Stadt und der Burg, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts während des Dreizehnjährigen Krieges erfolgte, abgeschafft. Zu dieser Zeit kam die Stadt auf Grund des Friedens von Torun (Thorner-Frieden) zur polnischen Krone.

Am Anfang war Biskupiec ein kleines, armes Städtchen. Die Bewohner beschäftigten sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem mit der Bodenbearbeitung, besonders mit dem Flachsanbau und mit der Viehzucht. In der Mitte des 15. Jahrhunderts ist Biskupiec dem Preussenbund beigetreten, aber in dem Jahre 1455 kam er samt anderen Städten unter die Herrschaft des Kreuzritterordens.

Im Jahre 1505 ist die Stadt zum nächsten Mal verbrannt und nach dem Wiederaufbau wurde sie nochmals zerstört und verbrannt infolge des Krieges zwischen Polen und dem Kreuzritterorden. Nach diesen Ereignissen erfolgte ein hundertjähriger Zeitraum, in dem es keine Kriege gab. Das hatte zweifellos wohltätigen Einfluß auf die Entwicklung der Stadt. Aus dieser Zeit (1565) stammen die ältesten Erwähnungen, die erstmals von einer Pfarrschule in Biskupiec sprechen. Die Brände haben aber die Stadt nicht verschont, sicherlich wurde auch die Kirche ein Raub der Flammen, da der Bischof Marcin Kromer im Jahre 1580 eine neue Kirche eingesegnet hatte.

Die zwei nächsten Jahrhunderte haben die Stadt auch nicht verschont. im Jahre 1617 wurde sie von dem Heer von Aleksander Lisowski ausgeplündert. Die Kriege zwischen Polen und Schweden haben Kriegsauflagen und Durchzüge der schwedischen, polnischen und brandenburgischen Truppen mitgebracht. Eine Zeitlang wurde Biskupiec mit Preußen und Warmia das Lehn von Schweden. Nachdem Warmia wieder zu Polen gekommen ist, haben die Brandenburger die Stadt verbrannt. Sie stand in Flammen noch mehrmals, dazu kamen noch die verheerend wirkenden Seuchen. Infolge dessen hatte Biskupiec im Jahre 1772 nur 1064 Einwohner.

Nach der 1. Teilung Polens wurde die kirchliche Herrschaft durch die staatliche ersetzt. In den Jahren 1807-1812 wurden der Stadt bedeutende Lasten auferlegt, die in Zusammenhang mit dem Biwakieren und den Durchgängen der napoleonischen, russischen und preußischen Truppen standen. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts hat auf diesem Gebiet Wirtschaftskrise geherrscht, die mit dem Rückgang der Getreidepreise verbunden war. Dazu kamen noch die Brände und die Choleraepidemie um die Wende des Jahres 1831 und 1832. Die preußische Regierung hat in den zwanzigster und vierzigster Jahren die Bauern zu Eigentümer der bisher gemeinsam bearbeiteten Grundstücke gemacht. Der Rückgang der Landwirtschaft und der Zusammenbruch des Flachsmarktes haben zur Verarmung der Bevölkerung geführt. Dazu kamen noch die zurückkehrenden Choleraepidemien. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts beobachtet man systematische Bevölkerungszunahme, die mit der Entwicklung des Handwerkes, der Dienstleistungen und des Bauwesens verbunden war.

Im Jahre 1862 hat man den Sitz der Kreisbehörde aus der bisherigen Kreisstadt Reszel nach Biskupiec versetzt, was in Verbindung mit der Entwicklung des Straßennetzes zur weiteren Bevölkerungszunahme geführt hat. Im Oktober 1865 bekam die Stadt eine Telegrafenstation. In den letzten zehn Jahren des 19. Jahrhunderts hat die Zahl der Bevölkerung um 1000 zugenommen und betrug im Jahre 1900 bereits 5250 Personen. Anfang September 1898 wurde hier eine Eisenbahnstation in Betrieb genommen und bis zum Jahre 1909 bekam die Stadt die Eisenbahnverbindung mit Czerwonka, Mragowo und Szczytno. Im Jahre 1899 blitzte auf den Straßen das elektrische Licht auf. Die Energie wurde zuerst von einem privaten Aggregat und seit dem Jahre 1910 von dem Stadtkraftwerk erzeugt. In den Jahren 1912-1913 wurden die Wasserwerke und die Entwässerung in Betrieb gesetzt, was eine von den wichtigsten Ursachen der häufigen Epidemien abgeschafft hat.

Die Kriegshandlungen während des 1. Weltkrieges haben Biskupiec direkt nicht betroffen, obwohl es im August 1914 einige Tage lang von den russischen Truppen besetzt war. Nach dem Kriegsende und vor dem Plebiszit lebte die polnische Volksbewegung in Warmia auf. Obwohl das Ereignis des Plebiszites ungünstig für Polen war, haben in Biskupiec bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges mehrere polnische Organisationen ihre Tätigkeit geführt. Der 2. Weltkrieg hat der Stadt große Zerstörungen mitgebracht. Am Ende des Krieges, im Januar 1945 wurde die Stadt von den sowjetischen Truppen besetzt und im Februar ist durch die Stadt die Front gezogen.

Auf Grund des Abkommens von Jalta kehrte Biskupiec und die ganze Warmia an Republik Polen zurück. Trotzdem wurde die Macht einige Monate lang von der sowjetischen militärischen Kommandantur ausgeübt. Erst im Mai 1945 hat die Verwaltung des Kreises Reszelski (von Reszel) der erste polnische Starost übernommen. Im Juli wurde in Biskupiec die erste polnische Schule eröffnet. Im August begann mit der Arbeit die Stadtkraftwerk. Mehrere Betriebe, u.a. das Sägewerk, die Mühle, die Wasserwerke und die Entwässerung wurden in Betrieb genommen. Im Jahre 1945 wurde auch das Krankenhaus eröffnet. Anfang November bekam die Ernennung der erste nachkriegszeitliche Bürgermeister von Biskupiec. Die Stadt hatte damals 2714 Einwohner.

Jahre 1946-1989

Im November 1946 wurde die Kreisbibliothek eröffnet. 1947 hat man mit den Vorarbeiten begonnen, die zur Eröffnung der Molkerei führen sollten. Man hat auch die während des Krieges zerstörte Eisenbahnstrecke Czerwonka - Mragowo - Elk und Biskupiec - Szczytno zum Gebrauch überlassen. Im Jahre 1948 wurde das Allgemeinbildende Lyzeum und die Stadtbibliothek eröffnet. 1951 wurde das Kreiskulturhaus gegründet. Die gleich nach dem Krieg gegründete Tischlerei hat sich in die Möbelfabrik umgewandelt. Gegen Ende des Jahres 1963 wurde eine neue Möbelfabrik gebaut. Die Brauerei begann mit der Produktion im Jahre 1957. In demselben Jahre wurde auch das erste nach dem Kriege gebaute Wohngebäude zum Gebrauch überlassen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß 50% der Gebäude in Biskupiec durch die Kriegshandlungen zerstört waren (die größten Zerstörungen haben das alte Stadtzentrum betroffen). Bei dem Wiederaufbau, der in den sechziger Jahren durchgeführt wurde, hat man die architektonische Tradition nicht beachtet. Erst dank den Bemühungen der heutigen Selbstverwaltung, begann man die Schäden in dem architektonischen Bild der Stadt zu ersetzen.

Anfang September 1960 begann seine Tätigkeit das ökonomische Technikum. Im Jahre 1962 wurde der ehemalige Kreis Reszelski umbenannt - er bekam den Namen "Biskupiecki". Gegen Ende des Jahres 1972 wurden in diesem Kreis vier Gemeineden gebildet: Biskupiec, Bisztynek, Jeziorany und Kolno. Die Stadt Reszel wurde dem Kreis Ketrzynski einverleibt. Im Jahre 1975 wurden die Kreise aufgelöst und Biskupiec wurde zum Sitz der Stadt und der Gemeinde Biskupiec. In den Jahren 1980-1981 hat man ein neues Krankenhaus zum Gebrauch überlassen.

Nach der Durchführung der Selbstverwaltungsreform wurde Biskupiec im Jahre 1990 zum Sitz der Selbstverwaltungsbehörde der Gemeinde Biskupiec. Es wurde das Stadtamt gegründet.

Biskupiec heute

Die Selbstverwaltungsreform beeinflußte die Kraft der Aufwärtsentwicklung der Stadt, insbesondere beschleunigte sie das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung. Es läßt der Stadt Anspruch auf die Kreisstadt erheben. Im August 1993, dank den Bemühungen der Selbstverwaltungsfunktionäre und der zu diesem Zweck gegründeten Kreisgesellschaft von Biskupiec, ist er in das Regierungsprojekt der Kreiskarte geraten.

Biskupiec ist auch Sitz vielen Einrichtungen, die nicht nur lokale Bedeutung haben: das Gericht, die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Feuerwehr, das große moderne Krankenhaus und ein Komplex von Oberschulen.

Die Fläche der Gemeinde beträgt ungefähr 30000 ha, fast 60% davon bilden die Felder. Fast 25% der Gesamtfläche ist mit den Wäldern bedeckt. Hier wurden Naturschutzgebiete in Zabrodzie und Dabrowa und 9 Landparks gegründet. Auf dem Gebiet der Gemeinde befinden sich 14 Seen, deren Fläche mehr als 5 ha beträgt und einige zehn kleinere, die sehr malerisch gelegen sind. Die größten Seen heißen Dadaj, Tejstymy und Pierwoj. Die Wälder sind reich an Wild und Geflügel, und die Seen an zahlreichen Fischarten.

Am Ende 1993 wohnten in der Gemeinde 20.288 Personen, davon 11.208 in der Stadt. Biskupiec verfügt über ein großes Krankenhauskomplex mit 9 Abteilungen. In diesem Komplex befinden sich auch die Rettungsstelle und die Poliklinik mit mehreren Fachberatungsstellen.

Das Kulturhaus von Biskupiec führt die vielseitige kulturelle Tätigkeit; von ihm werden alljährliche Veranstaltungen organisiert, wie z.B. Ausstellung des Volksschnitzwerkes (im Mai), Wettbewerb der Schultheater (Mai - Juni), Ausstellung des Kunsthandwerkes (April - Mai) und zeitweise viele andere.

In Biskupiec befindet sich eine Stadtbibliothek, die 6 Filialen in der Gemeinde besitzt und die pädagogische Bibliothek.

Der führende Sportklub in Biskupiec heißt "Tecza"; er besitzt mehrere Sektionen: Sportbridge, Tischtennis, Fußball. Die Fußballmannschaft spielt in der Bezirksklasse. Gut entwickelt ist auch die Radsportsektion der Dorfsportgemeinschaften (LZS) von Biskupiec.

Besonders reizvoll für die Touristen ist hier der See Dadaj mit der Gasamtfläche von mehr als 1000 ha. Rings um den See befinden sich viele Erholungsstätte, u.a. "Sloneczny Brzeg" ("Sonniges Ufer") in Ruklawki, das 4 km von Biskupiec entfernt ist. Direkt in der Stadt kann man sich an den Seen Kraks Duzy (Kraks der Große) und Kraks Maly (Kraks der Kleine) erholen. Viele Stätten und Plätze, die reizvoll für Touristen sein könnten, warten noch auf die Bewirtschaftung.

In den letzten Jahren entstanden mehrere Firmen mit dem örtlichen oder gemischten Kapital, die entweder in Anlehnung auf die bisherigen oder auf die neu gebauten Betriebe gegründet wurden. Zu den führenden Betrieben gehören: MM INTERNATIONAL - Hersteller der Möbel, POL-CAN INTERTRADE - Hersteller der Getränke, STYROPOL - Hersteller der wärmedämmenden Baustoffe, Brauerei - Hersteller des Bieres in den Fässern vom Typ KEG PLUS, POMAROL - Hersteller der Landmaschinen und der Kraftstoffbehälter, Abteilung des Institutes für die Baumaschinen - Hersteller u.a. der Begrenzer für die Baukräne.