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Die alte Stadtbefestigung
 

Von Robert Teichert

Die Stadt wurde von ihren Gründern in einem Viereck erbaut, dessen Ecken nach den vier Himmelsrichtungen zeigen. Den Siedlungskern bildet ein geräumiger Marktplatz, von dem Straßen ausgehen, die die Hinterstraßen rechtwinklig durchschneiden. Den Marktplatz umrahmten zur Zeit der Gründung (Handfeste vom 17. Oktober 1395. Die Red.) niedrige, einstöckige Laubenhäuser. Vor dem Ortelsburger Tor (Feuerwehrstraße) und an der Seeburger Landstraße (Erich Koch Straße) zogen sich Scheunenreihen hin, die wiederholt großen Feuersbrünsten zum Opfer fielen. Turmbesetzte Mauern und tiefe Gräben umgaben einst die Bürgerhäuser und den Marktplatz mit dem Rathaus.

Für den Unterbau der Stadtbefestigung verwendeten ihre Erbauer Feldsteine, unbehauen und ungesprengt. Den oberen Teil des Mauerkörpers stellte man in Backsteinen her, zu denen die Lehmlager in der Nähe der Stadt das notwendige Material lieferten. Größere Schwierigkeiten als die Ziegelfabrikation bereitete die Herstellung des Mörtels, insbesondere die Beschaffung des Kalkes, da die alten Baumeister davon erheblich mehr verwendeten, als das heute geschieht. Dazu verschlang ein häufig angewandtes Verfahren ungeheure Mengen des bindenden Materials. Die Mauern der Ordenszeit sind im Innern nicht selten durch Schuttmassen ausgefüllt, die durch reichliche Kalkschichten miteinander verbunden wurden. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich diese Füllung zu einer einzigen Masse verhärtet, die nur unter Anwendung ungewöhnlicher Mittel zertrümmert werden kann. Solche Mauerreste sind noch im Keller des Mundkowskischen Hauses zu sehen. Beim Umbau des Ladens im Jahre 1931 konnte man feststellen, daß die hintere Wand einfach auf die alte Stadtmauer aüfgesetzt war. Das alte Mauerwerk hatte eine derartige Festigkeit, daß die zu beseitigenden Stücke nur mit großer Mühe entfernt werden konnten.

Zu der gemauerten Umwehrung der Stadt trat noch ein teilweise natürlicher, teilweise künstlicher, wirksamer Wasserschutz. Während auf der Westseite der Mühlenteich (die heutigen Daumschen Wiesen) eine natürliche Schutzanlage darstellte, bildete auf der Nordwest- und Nordseite die durch den Mühlendamm angestaute Dimrner, deren Flußbett an der Stadtmauer entlang führte, ein Hindernis. Auf der Ost- und Südseite zog sich der künstlich hergestellte Stadtgraben hin, der durch das angestaute Wasser der Dimmer gespeist wurde und in den Mühlenteich einmündete. Der Stadtgraben verließ zwischen Wohnhaus und Schmiede Golz den Dimmerlauf, nahm seine Richtung über den Hof des Grundstücks Kur und die noch heute auffallend tief gelegenen Gärten zwischen Töpfer- und Brunnenstraße, überquerte die Hindenburgstraße, verlief dann in der Richtung der heutigen Rosengasse und vereinigte sich etwa in der Nähe des Grundstücks Ramlow mit dem Mühlenteich.

Die Zugänge nach dem Stadtinnern sicherten feste Tore. Nach der Überlieferung hat die Stadt nur zwei Tore gehabt, das Rößeler Tor neben dem Pscholkaschen Haus an der Dimmerbrücke und das Ortelsburger Tor am Anfang der Hindenburgstraße.

Diese Überlieferung findet eine Stütze in den Magistratsakten des 18. und 19. Jahrhunderts, die an vielen Stellen diese beiden Hauptausgänge der Stadt als Rößeler und Ortelsburger Tor bezeichnen. Die Tore selbst waren natürlich längst verschwunden. Zwei Torschreiber erhoben an den Markttagen am Rößeler und Ortelsburger Tor im Jahre 1774 die Steuer von den zur Stadt gebrachten landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Nach Einführung der Städteordnung von 1808 wurde die Stadt, entsprechend den beiden Hauptausgängen, in den Königsberger und Warschauer Stadtbezirk mit je einem Bezirksvorsteher eingeteilt. Die heutige Erich- Koch-Straße wurde von der Stadtmauer etwa beim Friseurgeschäft Kintat überquert. Ein Ausgang nach Bredinken zu kam ursprünglich nicht in Frage, da Bredinken und Sternsee erst 1569 gegründet wurden.

Von all den mittelalterlichen Wehr und Schutzanlagen hat unser gegenwärtiges Geschlecht nur kümmerliche Reste geschaut. Verschüttet sind die Gräben, zerbrochen die Tortürme, geborsten und zerfallen oder gar abgetragen die alten Stadtmauern. Ihren Verlauf, ihr Aussehen vermag nur der ortskundige Heimatfreund im Geist wieder erstehen zu lassen. Die Nachrichten über die Stadtbefestigungen sind mehr als spärlich. In dem 1725 erschienenen Werk "Historia Prussiae" berichtet der Guttstädter Domherr Leo, daß die Mauerreste der alten Stadtbefestigung noch vorhanden seien. 1777 befindet sich in der Stadt eine "37 Schuh lange und 17 Schuh breite Wohnbude (Nr. 68), durchgängig aus Holz, außer daß sie an der Seite nach der Vorstadt auf der alten Stadtmauer liegt, welche derselben zu einer Wand dient". 1792 berichtet der evangelische Pfarrer Niedt, daß das evangelische Bethaus (jetzt Polizeiwache) und die Stadtmauer nur durch einen schmalen Raum getrennt seien, und im Jahre 1816 wird gesagt, daß das Gebäude in einem Winkel stehe, den die Sonne wenig bescheine, da die Stadtmauer jeden Sonnenschein abhalte.

An die alte Stadtbefestigung erinnern nur noch einige Reste, die sich an einigen Stellen unter den Häusern als Fundamente oder Kellerwände vorfinden, z. B. in der Ringstraße (Mundkowski, Angrick), unter dem Häuserblock, in dem das Rathaus steht, angeblich auch nördlich der kath. Kirche, von der oberen Ecke des Propsteigartens bis zu den früheren Pferdeställen der Pfarrwirtschaft. Beim Erweiterungsbau des Rathauses (1922) und beim Umbau des Fleischergeschäftes Gustav Ley wurden etwa 2 m breite und tiefe Fundamente aus unregelmäßigen Steinen und Ziegelstücken gefunden, die, in Kalkmörtel gemauert, eine große Festigkeit aufwiesen. Die Fortsetzung dieser nunmehr ausgebrochenen Teile ist in dem alten Fundament des Wischnewskischen Hauses, Wassergasse, auf dem Hof der Polizeiwache sichtbar.

Die vermeintlichen unterirdischen Gänge, die sich auf dem Markt befinden sollen und mit der Stadtbefestigung in Zusammenhang gebracht werden, dürften weiter nichts als die Reste alter Keller sein, wie wir einen solchen noch bis zum Brande im Jahre 1930 vor dem Gotzeinschen Hause sahen. Ähnliche Vorkeller mit dem Eingang vom Markt aus mögen sich früher im ganzen Ring des Marktes befunden haben. So wurde in den 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor dem Geschäftsgrundstück Rohse ein derartiger Keller zugeschüttet. Zwischen diesem Außenkeller und dem Keller unter dem Haus bestand eine Verbindung. Beim Bau einer Benzinpumpe vor dem Geschäftshaus Kurzbach im Herbst 1929 stieß man in 1 m Tiefe auf eine Schicht zerbrochener Ziegel. Unter der Ziegelschicht war gewachsener Boden, darüber Mischerde. Die Ziegelreste stammen jedenfalls von einem alten Vorkeller her. In den Kellern der Geschäftshäuser Harich und Zywina deuten Wölbungen in der Außenmauer auf die einstige Verbindung zwischen Außen- und Innenkeller hin. Die Kellereingänge sollen sich ehemals sämtlich auf dem Marktplatz befunden haben.

Quelle: "Rößeler Heimatbote", April 1968

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