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Freiwillige Feuerwehr
Bischofsburg

Von Dr. Erhard Pahnke

Vorbemerkung:

Der Verfasser gehörte bei Kriegsende der Bischofsburger Jugendfeuerwehr an. Sein Vater Walter Pahnke war von ca. 1940 an Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bischofsburg. Das, woran sich beide noch sicher erinnern konnten, hat Herr Dr. Erhard Pahnke 1976 wie folgt schriftlich festgehalten:

1. Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr zum Zeitpunkt der Flucht:

a) drei Löschfahrzeuge mit je einer 800-Liter-Motorsspritze
b) eine weitere 800-Liter-Motorspritze auf einem Anhänger; die Brauerei Daum war notdienstverpflichtet, für den Transport des Anhängers und der dazugehörigen Mannschaft ständig einen LKW zür Verfügung zu halten
c) ein kleiner Transport-Kraftwagen (für geringe Lasten)
d) eine sowohl anhängbare als auch mit Pferden bespannbare mechanische Leiter (14 Meter)
e) eine als Auto-Anhänger hergerichtete Handdruckspritze
f) ein mit Pferden bespannbarer Mannschafts- und Gerätewagen
g) zwei für den Stadteinsatz zu Fuß gedachte Hydrantenwagen (die auch an den bespannbaren Gerätewagen angehängt werden konnten; die Hydrantenwagen waren mit Hydrantengerät und je zwei Schlauchhaspeln bestückt)
h) ein Kleinmotorrad.

Zusatz: Die Feuerwehr war Anfang der dreißiger Jahre motorisiert worden: mit einem Magirus-Löschfahrzeug und 800-Liter-Motorspritze sowie einer gebraucht gekauften Horch-Limousine als Mannschaftswagen. Die Horch-Limousine wurde während des Krieges außer Dienst gestellt.

2. Unterbringung und Alarmierung

Im Frieden waren die Fahrzeuge und Geräte im Feuerwehrdepot auf dem Feuerwehrplatz (im Süden der Stadt) untergebracht. Im Krieg waren sie wegen der Luftgefahr auf bis zu vier Stellen verteilt: Im Feuerwehrdepot und den Garagen der Ermländischen Genossenschaft, bei der Brauerei Daum und beim Bahnhofshotel Schulz. Der im Krieg stark angewachsene Fahrzeug- und Gerätebestand hätte im übrigen auch im Feuerwehrdepot allein gar nicht mehr untergebracht werden können.

Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte seit den dreißiger Jahren bis zum Kriegsbeginn durch zwei Sirenen, die an Ort und Stelle eingeschaltet werden mußten (in der Regel durch telefonisch erreichbare Beauftragte, notfalls nach Einschlagen einer Scheibe). Bei Kriegsbeginn wurden die Sirenen auschließlich für die Luftwarnung in Anspruch genommen, und man mußte auf die alte Alarmierungsweise mit Feuerhörnern zurückkommen. Sie erwies sich -entgegen anfänglichen Befürchtungen- als dem Sirenenalarm durchaus ebenbürtig, da ein wohldurchdachtes System angewandt und das Telefon zu Hilfe genommen wurde.

3. Mannschaftsbestand

Zu Beginn des Krieges war die Feuerwehr ca. 60 Mann stark, zuletzt bestand sie wegen der vielen Einberufungen zum Kriegsdienst aus einem kleinen Kern von eigentlichen Mitgliedern, einer größeren Anzahl notdienstverpflichteter Bürger, der Jugendfeuerwehr und einer (uniformierten) Gruppe polnischer Kriegsgefangener.

4. Leitung

Der letzte reguläre Wehrführer war Oberbrandmeister Siegfried Kullik. Nach seiner Einberufung zu Beginn des Krieges leitete zunächst kurze Zeit Brandmeister (oder Oberbrandmeister) Wichert, dann von 1940 oder 1941 bis zum Ende mein Vater kommissarisch die Feuerwehr. Mein Vater wurde in dieser Zeit zum Oberbrandmeister befördert.

5. Einsätze

Die beiden bedeutendsten Einsätze in der Kriegszeit im Stadtgebiet selbst erfolgten beim Brand der Mühle Hein & Co (vormals Anker) ca.1943 und bei den beiden Luftangriffen am 20.1.45. Bei dem Mühlenbrand gelang es -zur Verwunderung aller Sachverständigen- das Feuer auf die oberste Etage zu beschränken, was nur durch einen kühnen Innenanpriff möglich war, der von einem massiven Außenangriff begleitet wurde. Ich habe noch in sehr sicherer Erinnerung, daß insgesamt 9 Rohre eingesetzt waren. Der Brand wurde ohne auswärtige Hilfe allein von der Bischofsburger Feurerwehr gelöscht. Eine aus Sensburg herbeigerufene mechanische Leiter kam nicht mehr zum Einsatz.

Bei den Luftangriffen (die ohne Fliegeralarm erfolgten) löschte die Feuerwehr schnell die beiden Brände, die beim Vormittagsangriff in der evangelischen Volksschule und in einem kleinen Lagerhaus nahe dem Feuerwehrdepot entstanden waren, und transportierte Verwundete ab.

Es ist noch zu bemerken, daß der Wasserdruck im Leitungsnetz der Stadt so groß war bzw. so verstärkt werden konnte, daß auch bei größeren Bränden im eigentlichen Stadtgebiet nur selten eine Motorspritze eingesetzt zu werden brauchte. Eine solche Ausnahme bildete z.B. der oben erwähnte Mühlenbrand. Man konnte direkt aus Hydranten 3 bis 4 voll wirksame C-Rohre speisen.

Besonders abenteuerlich und mühevoll verlief ein auswärtiger Einsatz der Bischofsburger Feuerwehr, der auch in die Kriegsjahre (1941?) fiel, nämlich bei dem großen Brand der Burgmühle in Rößel, zu dem sogar die Königsberger Feuerwehr gerufen wurde. Es war tiefer Winter mit eisigem Frost. Die Schneeverwehungen auf den Landstraßen waren so hoch, daß mein Vater die beiden Fahrzeuge, die Bischofsburg zu Hilfe schickte, auf verschiedenen Wegen nach Rößel fahren ließ, damit wenigstens eines durchkäme. Das, mit dem mein Vater fuhr, mußte unterwegs stehengelassen werden. Man verlud Motorspritze und Gerät auf mehrere Bauernschlitten und fuhr mit diesen zum Brandort weiter, wo man als erste auswärtige Löschgruppe eintraf. Der andere Wagen kam mit Müh und Not durch und traf etwas später ein. Der Mühlenteich hatte eine dicke Eisschicht, die erst aufgeschlagen werden mußte. Die Motorspritzen mußten bedeckt werden, damit sie ansprangen; die Mundstücke der Strahlrohre froren allmählich zu und Schläuche platzten. Der Einsatz dauerte bis zum nächsten Tag.

6. Das Ende

Am 23.1.45 befahl der Bürgermeister Rogall meinem Vater, mit zwei Löschfahrzeugen und dem Daumschen Bereitschafts-Lkw Personen und Akten zür nächsten Bahnstation, von der noch Züge fuhren, zu transportieren. Alle drei Fahrzeuge, die zunächst bis Heilsberg fahren mußten, konnten wegen der Entwicklung der Frontlage nicht mehr zurückkehren. Daher wissen wir auch nicht, was sich in Bischofsburg in den Tagen bis zur Eroberung der Stadt durch die Russen am 28.1. auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens ereignete.

Im Sommer 1945 sah ich das zurückgebliebene Löschfahrzeug auf dem Hof der katholischen Volksschule ausgeplündert auf den Achsen liegen. Das Feuerwehrdepot ist erhalten geblieben und hat auch den Polen später als solches gedient. Die Polen haben auch einige Geräte (m. W. auch die mechanische Leiter) wieder in Dienst gestellt.

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