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Die katholische Kirche
in Bischofsburg

Aus der Chronik von R. Teichert

Ein Kirchlein, ähnlich den Blockhäusern der jungen Stadt, wurde gewiß schon von den ersten Ansiedlern errichtet. Von dem einfachen Glockenstuhl herab rief eine Glocke die Ansiedler zur Kirche, wo sie der Messe und Predigt beiwohnten und die Sakramente empfingen. In der Gründungsurkunde von 1395 wird der Pfarrer erwähnt, der aus den Stadtländereien vier zinsfreie Hufen mit einer zinsfreien Hofstelle, am Kirchhof gelegen, zu seinem Unterhalt erhielt. Zu dem Ertrag seiner eigenen Pfarrhufen erhielt er noch von jeder zinspflichtigen Ackerhufe jährlich einen Scheffel Roggen und einen Scheffel Hafer als Meßgetreide oder Dezem.

Den Verwüstungen des Hungerkrieges (1414) und des Städtekrieges (1454 1466) ist mit der jungen Stadt sicherlich auch das Gotteshaus zum Opfer gefallen. Die älteste Nachricht über das Kirchengebäude stammt aus dem Jahre 1505, aus der Zeit, da die Pest im Ermland sehr stark wütete. Im Jahre 1521 brannte die ganze Stadt ab. Sowohl bei diesem Brand wie auch bei den folgenden Bränden 1557 und 1571 wird die Kirche nicht verschont geblieben sein; denn die Visitationsakten von 1565 berichten, daß die Synodalstatuten bei dem Pfarrhausbrand vernichtet worden seien. Ferner erfahren wir auch, daß Bischof Cromer neben anderen Kirchen und Kapellen 1580 auch die "neue" Kirche zu Bischofsburg, zugleich mit dem Hochaltar, zum heiligen Johannes dem Täufer weihte und für den Konsekrationstag einen vierzigtägigen Ablaß verlieh.

Im Jahre 1700 wurde die Kirche durch Feuer beschädigt. Danach befand sie sich in einem so schlechten Zustand, daß sogar die Fenster fehlten und der überall durchlaufende Regen die Mauern gefährdete. Der Bistumsadministrator schickte an den Magistrat und an das Seeburger und Rößeler Kammeramt die Aufforderung, die Reparatur der Kirche und die Erbauung eines gemauerten Turmes schleunigst vorzunehmen. Erst im Jahre 1721 scheint der Turmbau zu Ende geführt worden zu sein. Es war dies der erste massive Turm unserer Kirche, dessen Umfassungsmauern noch der heutige Turm zeigt. Unter Propst Lebach (1723 1744) wurde die Vergrößerung der Kirche durchgeführt und am 10. April 1728 von dem Generaladministrator, Domherr Andreas Franz Burchert, der neue Grundstein gelegt.

Bereits unter der alten Kirche hatte sich eine Gruft befunden. Bei der Vergrößerung (1728-1735) wurde das heutige Gewölbe unter dem Presbyterium erbaut. In ihm wurden von 1732 bis 1874 die verstorbenen Geistlichen, Rittergutsbesitzer und angesehenen Bürger beigesetzt.

Was mit großer Mühe und in 25jähriger Arbeit gebaut und geschafft worden war, sollte ein einziger unglückseliger Augenblick vernichten. Der Brand vom 21. April 1766 verzehrte mit der Stadt auch die Kirche und ließ nur die Mauern mit einem Teil des Gewölbes übrig. Sogar einige in der Gruft beigesetzte Leichen verbrannten. Das Feuer muß aus dem Innern des Gotteshauses in den Turm gedrungen sein. Noch heute kann man die von Rauch wie mit Pech geschwärzten Ziegel des Glockenturmes sehen. Nur einige Kostbarkeiten der Kirche konnten gerettet werden, darunter die Monstranz und die Kelche, die mit den Jahreszahlen 1741 und 1759 versehen waren und bis 1945 benutzt wurden.

Wiederaufbau

Der Fürstbischof schenkte aus der Rößeler und Seeburger Ziegelei je 15 000 Stück Ziegel und 3o Tonnen Kalk. Gleichzeitig erließ er unter dem 11. Juli 1766 eine Aufforderung an sämtliche Kirchenkassen, zum Aufbau der Kirche in Bischofsburg bestimmte Beiträge zu zahlen. Auch das vom Grafen Albert Sigismund Zeyguth Stanislawski durch Testament vom 16. Mai 1765 für die ärmste Kirche gestiftete Kapital von 5000 Fl. wies der Bischof sofort der hiesigen Gemeinde zu.

Zuerst wurde die Kirche für den Gottesdienst instand gesetzt, und erst nach 18 Jahren ging man an den Wiederaufbau des Turmes, dessen Dach wieder, wie früher, mit eichenen Schindeln gedeckt wurde. Eine neue Konsekration scheint nicht stattgefunden zu haben; daher gilt auch heute noch der 14. August als Dedikationstag.

Nach dem Wiederaufbau hatte die Kirche 7 Altäre und 4 Beichtstühle. Die Gewerke der Schuhmacher und Schneider unterhielten je einen Altar das ganze Jahr hindurch mit den nötigen Wachslichten. Jedes Gewerk der Stadt besaß außerdem zwei Wachsfackeln, mit denen es die Prozessionen begleitete. Gepredigt wurde an drei Sonntagen deutsch und am vierten polnisch. Die Übersicht für das Jahr 1784 zählt auf: 134 Taufen, 120 Todesfälle, 27 Heiraten, 2353 Osterkommunionen (darunter aus Altpreußen 257). Im Jahre 1798 zählte das Kirchspiel 3604 Seelen.

Seit dem Jahr 1766 ist die Kirche, die seit der Gründung der Stadt fünfmal vollständig niedergebrannt war, vom Feuer verschont geblieben. Nur 1836 wurde der Turm durch Blitzstrahl unbedeutend beschädigt. Schon 1838 wurde eine Hauptreparatur notwendig, weil das Gewölbe durch hineinwehenden Schnee stark gelitten hatte. Außerdem waren Dach und Gesimse des Turmes schlecht.

Die Kuppel des Daches wurde nun mit Blech beschlagen, über das Gewölbe ein Bretterboden, Schneeboden genannt, gelegt. Im Sommer 1871 erfolgte eine Reparatur des Kirchendaches, der Giebelmauer und des Chortürmchens. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche Fliesen.

Während der Amtszeit des Propstes Herrmann wurde in den Jahren 1881 und 1882 nach einem Entwurf des Baumeisters Hörtel aus Münster die vorher einschiffige romanische Kirche durch den Anbau zweier Seitenschiffe zu einer dreischiffigen Kirche erweitert. Auch die Seitenschiffe sind im romanischen Stil gehalten und außen kapellenartig ausgebildet, damit das Mittelschiff genügend Licht erhält. Das Mittelschiff trägt ein Tonnengewölbe, die Seitenschiffe sind auf ein Drittel Höhe mit Kreuzgewölben überspannt, die die Emporen tragen. Durch den Anbau wurde die Zahl der Sitzplätze auf rund 1200 vermehrt. Leider stören die starken Pfeiler sehr die Wirkung des Baues und verhindern z. T. die Aussicht auf Kanzel und Hochaltar. Die Baukosten betrugen 100 000 Mark.

Seit dem Jahre 1888 befand sich auf dem Turm ein 5 m hohes Kreuz, das etwa 8 Zentner wog und von dem Schlossermeister Rutkowski gearbeitet war. Der Wetterhahn, das Sinnbild menschlicher Schwäche und Unbeständigkeit, war drehbar angebracht und einen Meter hoch. Der Turmknopf bestand aus zwei zusammengesetzten Halbkugeln und enthielt eine verlötete Kupferbüchse, in die Nachrichten über den Erweiterungsbau der Kirche und Zeitungen hineingelegt waren (s. Berichtů. Link!)

Im Jahre 1903 wurden das Dach und der Turmhelm von zwei hiesigen Handwerkern, den Klempnermeistern Babiel und Narewski, mit Kupferplatten eingedeckt. Die Stadtverwaltung beschaffte eine neue Turmuhr mit Schlagwerk. Auch der Ostgiebel, der baulich wertvollste Teil der Kirche, wurde ausgebessert, der kleine Dachreiter in Eisenkonstruktion erneuert und erhöht. Danach ging man daran, die auf den kleinen Emporen zu beiden Seiten des Hochaltars befindlichen vier Fenster zu erweitern und vollständig zu erneuern. Infolgedessen strömt nun eine mächtige Lichtfülle hinein, schafft einen freundlichen Vordergrund, beleuchtet hell die heiligen Handlungen des Priesters und gibt dem Ganzen etwas von dem magischen Zauber unserer Dome, der die Künstler so oft veranlaßte, das "Kircheninnere" auf die Leinwand zu bannen. Der Bilderschmuck der Kirche ist aus dem Marienleben genommen. Sechs große, runde Deckengemälde, davon zwei im Presbyterium, zieren das Gewölbe des Hauptschiffes. Der westliche Bogen über der Orgel hat kein Bild erhalten. Die Gemälde stellen dar:

1. Bild: Maria Verkündigung. 2. Bild: Mariä Heimsuchung, 3. Bild: Jesu Geburt. 4. Bild: Jesu Grablegung. 5. Bild: Mariä Krönung. 6. Bild: Mariä Geburt. Die Bilder werden von breiten Bandstreifen umrahmt, die sich über das ganze Gewölbe von Bild zu Bild schlingen. Die hervortretenden breiten Gewölbebogen tragen im Hauptschiff wie auch in den Seitenschiffen farbenprächtige, reich gemusterte Wandstreifen. Die freien Räume der Gewölbe sind abwechselnd mit Sternen und Laubverzierung versehen. Das ganze Gewölbe, mit Ausnahme des Presbyteriums, das himmelblau gehalten ist, hat einen weißen Untergrund erhalten. Die seitlichen, dreiseitigen Gewölbekappen des Hauptschiffes sind mit je einem Paar großer, schwebender Engel verziert, die Sinnbilder aus der lauretanischen Litanei tragen. jeder Gewölbeabschnitt der Seitenschiffe ist mit je zwei kleineren Bildern aus dem alten Testament und zwei dazu gehörigen lateinischen Sprüchen verziert, so daß 16 Bilder und 16 Sprüche vorhanden sind.

Am reichsten hat man den Triumphbogen ausgestattet; seine Vorderseite trägt zwischen einem reichen Laubwerkschmuck die Sinnbilder der vier Evangelisten: Engel, Löwe, Stier und Adler. In der Mitte sieht man das Lamm, auf einem Buch mit sieben Siegeln ruhend. Höllische Geister lagern am Boden und krümmen sich in ohnmächtiger Wut vor dem Wort Gottes. Der innere Bogen trägt die Bilder je eines Vertreters aus den 9 Chören der Engel mit einem entsprechenden Abzeichen seiner Würde.

Die Wände haben eine gelblich graue Sandsteinfarbe erhalten. Die Wandpfeiler des Mittelschiffes erscheinen in den Farben gelben, stilisierten Marmors, während man die großen Mauerträger in graublaue und rote Sandsteinquader zerlegt hat. Die acht Gewölbebogen der Seitenchöre sind mit den acht Teilen des Vaterunsers geschmückt.

Hochaltar und Kanzel stammen aus der Zeit nach dem Brand von 1766 und sind beide im Barockstil ausgeführt. Der Schalldeckel der Kanzel ist durch vergoldete Behänge mit Troddeln verziert. Die Krönung bildet ein posaunender Engel. Der Hochaltar trägt zwischen je zwei korinthischen Säulen das Ölbild der Taufe Jesu. Zwischen den seitlichen Säulenpaaren stehen die holzgeschnitzten Figuren der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Darüber befinden sich auf verkröpftem Gebälk zwei geschnitzte Engel. Der Aufsatz des Hochaltars enthält in Bildhauerarbeit die heiligste Dreieinigkeit.

Der linke Nebenaltar zeigt das Bild der Verklärung Christi, der rechte das Bild des hl. Valentinus, wie er ein totes Kind auferweckt. An den Sonntagen nach Johannes dem Täufer (24. Juni), Christi Verklärung (6. August), Valentinus (14. Februar) und Rosalia (4. September) finden die Kirmesse der Bischofsburger Pfarrgemeinde statt.

Im linken Seitenschiff befindet sich der Marienaltar, im rechten der Josefaltar. Neben- und Seitenaltäre sind nach dem Anbau der Seitenschiffe erneuert worden. Das Fenster am Marienaltar stellt Maria als Rosenkranzkönigin dar, wie sie dem hl. Dominikus einen Rosenkranz überreicht. Das Glasgemälde über dem Josefaltar zeigt die Vermählung der Maria mit dem hl. Josef.

Die Taufkapelle ist in das linke Seitenschiff eingebaut und durch ein hölzernes Gitter abgeschlossen. Die Taufschüssel ist von Messing und mit dem eingestanzten englischen Gruß und sinnlosen gotischen Buchstaben verziert. Die Uhr rechts vom Altar ist eine frühere Hausuhr des Kaufmanns und Rittergutsbesitzers Pruß, der sie der Kirche zum Geschenk machte.

Die Kirche hat zwei Sakristeien, von denen die nördliche einen besonderen Eingang vom Kirchhof aus hat und zum täglichen Gebrauch dient. Die südliche, zu der der Eingang nur aus der Kirche führt, wird als Aufbewahrungsraum für Paramente, Wäsche und andere Sachen benutzt und steht mit einem gewölbten, feuersicheren Raum in Verbindung, der früher zur Aufbewahrung der Kostbarkeiten diente.

Kirchengeräte von großem Kunstwert oder hohem Alter besitzt die Kirche nicht. Die Armut der Kirchspielseingesessenen und die Brände der früheren Jahrhunderte dürften die Ursache dafür sein. Erwähnenswert ist aber ein Reliquienkreuz von Silber, das eine Partikel des hl. Kreuzes enthält und die Inschrift trägt: "Anno 1616. Martinus Wöreinski, Erbsaße auf Labuch, hat dies kreitz der Kirchen zu Bischofsburch lassen machen".

Es mögen nun noch die größeren Anschaffungen und Einrichtungen aus der Nachkriegszeit verzeichnet werden. Die einzelnen Angaben stützen sich auf die Veröffentlichungen des Pfarrers Linka, Jonkendorf, in der "Bischofsburger Zeitung". Danach ist die Orgel von der Firma Goebel, Königsberg, im Jahre 1922 erbaut worden; sie ist in ihrem Innenbau ganz neu, ein schönes Werk mit allen neuzeitlichen Einrichtungen und einem im Jahre 1923 beschafften elektrischen Windantrieb. Die Anschaffungskosten wurden aus der Kirchenkasse entliehen und später mit rund 6o RM aufgewertet.

Im Weltkrieg mußten unsere Glocken bis auf eine abgeliefert werden. AM 24. Juni 1924 konnten die drei neuen Glocken geweiht werden, die von der Firma Geittner & Co. aus Breslau geliefert wurden. Die größte Glocke wiegt 40 Zentner, die zweite 21,5 und die kleinste 8,5 Zentner. Dazu kommt unsere alte Glocke mit 14 Zentnern und der schmiedeeiserne Glockenstuhl mit 56 Zentnern. Das Gebälk im Glockenturm hat also eine Belastung von 140 Zentnern zu tragen. Die vier Glocken haben die Töne Des, F, As, B. Die größte Glocke hat die Landwirtschaft gestiftet; sie trägt den Spruch: "Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns, o Herr" und ist zur Vorsehung Gottes geweiht. Die zweite Glocke hat die hiesige Kaufmannschaft geschenkt. Als Marienglocke trägt sie auf der einen Seite die Inschrift: "Ihrer himmlischen Mutter mit der Bitte um Segen die kath. Kaufmannschaft", auf der anderen Seite: "Es segne uns die Jungfrau rein mit ihrem lieben Kindelein." Die Beschaffung der dritten Glocke hat der hiesige Gesellenverein übernommen, sie ist dem hl. Josef geweiht und trägt die Doppelinschrift: "Dem hl. Josef in Liebe gewidmet vom kath. Gesellenverein Gott segne das ehrbare Handwerk." Der Preis der Glocken einschl. Fracht und Aufmontierung betrug über 13 000 Mark. Seit dem Jahre 1927 werden die Glocken mittels elektrischem Antrieb geläutet. Das Anbringen der Läutemaschinen geschah durch die liefernde Firma Bokelmann & Kulo, Erfurt; die notwendigen Installationsarbeiten hat die hiesige Firma Hesperos, Inh. Kamps, ausgeführt. bälk im Glockenturm hat also eine Belastung von 140 Zentnern zu tragen. Die vier Glocken haben die Töne Des, F, As, B. Die größte Glocke hat die Landwirtschaft gestiftet; sie trägt den Spruch: "Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns, o Herr" und ist zur Vorsehung Gottes geweiht. Die zweite Glocke hat die hiesige Kaufmannschaft geschenkt. Als Marienglocke trägt sie auf der einen Seite die Inschrift: "Ihrer himmlischen Mutter mit der Bitte um Segen die kath. Kaufmannschaft", auf der anderen Seite: "Es segne uns die Jungfrau rein mit ihrem lieben Kindelein." Die Beschaffung der dritten Glocke hat der hiesige Gesellenverein übernommen, sie ist dem hl. Josef geweiht und trägt die Doppelinschrift: "Dem hl. Josef in Liebe gewidmet vom kath. Gesellenverein Gott segne das ehrbare Handwerk." Der Preis der Glocken einschl. Fracht und Aufmontierung betrug über 13 000 Mark. Seit dem Jahre 1927 werden die Glocken mittels elektrischem Antrieb geläutet. Das Anbringen der Läutemaschinen geschah durch die liefernde Firma Bokelmann & Kulo, Erfurt; die notwendigen Installationsarbeiten hat die hiesige Firma Hesperos, Inh. Kamps, ausgeführt.

1926 wurde der 2 m hohe Zaun an der Südseite der Kirche erbaut; sein Gitterwerk zeigt würdige, einfache Formen. Die Schmiedearbeiten führten die hiesigen Schlossermeister Bastian und Rutkowski aus. Der Eckpfeiler gegenüber der Kreissparkasse wurde zu einem Postament ausgebaut, in dem die Figur der hl. Rosalie, der Schutzpatronin gegen ansteckende Krankheiten, Aufstellung fand. Der früher öde daliegende, nunmehr mit gärtnerischen Anlagen geschmückte Kirchenplatz ist zu einer Zierde für Kirche und Stadt geworden.

Im Jahre 1928 wurde eine Warmluftanlage mit Luftheizung eingebaut.

Die Gebefreudigkeit der Kirchspielseingesessenen verdient vollste Anerkennung, sind doch nach dem Kriege für die erwähnten Einrichtungen über 40 000 Reichsmark durch Sammlungen, nicht durch Kirchensteuern, aufgebracht worden.

Die Kirche steht in der Nähe der Westecke des Marktplatzes; sie ist das beste Wahrzeichen der Stadt. Wuchtig und beherrschend ragt ihr Bau aus dem ganzen Stadtbild heraus. An der Südwestecke der Kirche ist die Marke für die Höhenlage der Stadt über dem Meeresspiegel angebracht: 155,029 m. Der starke viereckige Turm mit seiner schönen barocken Spitze steht an der Westseite und ist bis zum Turmknopf 45 m, bis zur Wetterfahne einschließlich rund 52 M hoch.

Erwähnt sei hier noch die nach Ansicht Sachverständiger einige Jahrhunderte alte Figur des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, die seit 1931 im schmucken neuen Gewand in der Mauernische des Milkauschen Hauses einen würdigen Platz gefunden hat.

Am 17. Oktober 1931 fand in einem der Feierabendschen Häuser in der von Perbandt-Straße die Einweihung einer Niederlassung der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu statt, deren Mutterhaus in Hiltrup bei Münster in Westfalen steht. Unterstützung der Seelsorge in schwerer Zeit ist die Aufgabe dieser Neugründung.

Die heutige katholische Kirchengemeinde Bischofsburg zählt gegenwärtig (1934) ungefähr 10 000 Seelen. Eingepfarrt sind: Bischofsburg, Bredinken, Buchenberg, Gut Kattreinen, Labuch, Mühle Mertinsdorf, Gut Nassen, Neudims, Paudling, Gut und Dorf Raschung, Rochlack, Ridbach, Saadau, Schöndorf, Stockhausen, Wengoyen, Gr. Wolka. Die Zahl der jährlichen katholischen Taufen beträgt 300, die der Trauungen 85, der Todesfälle 150 im Durchschnitt der letzten drei Jahre.

Aus den Kirchenbüchern lassen sich die Pfarrer seit 1545 bis auf einige Lücken in fortlaufender Reihenfolge nachweisen:
1545-1571 Gracki;
1583-1588 Stanislaus Lanski;
1588-1608 Stanislaus de Siepro;
1609- 1627 Clemens Lutomiriensis;
1627-1657 Valentinus Majewski;
1657-1661 Adalbert Nowieyski, zugleich Domherr in Allenstein;
1661-1702 Mattäus Simonis;
1706- 1712 Stanislaus Drozdowski;
1712-1718 Matteus Pompecki;
1719-1721 Josaphat Karp, zugleich Domherr in Wilna;
1723-1744 Georg Christophorus Lebach;
1744-1757 Thomas Ignatz Ossowski;
1770-1791 Joseph Szymanowicz;
1791-1794 Andreas Peper;
1794-1796 Joseph Fug;
1797-1809 Petrus Eisner;
1809-1810 Johannes Langkau;
1810- 1837 Jakobus Behr;
1838-1855 Joachim Rarkowski;
1855-1869 Eduard Stock;
1869- 1898 Eduard Herrmann;
1898-1900 Bernhard Blaschy;
1900-1929 Andreas Erdmann;
1929-1949 Georg Wedig.

Laut einer Verfügung des Fürstbischofs Szembek vom Jahre 1736 hatte die Stadt die Verpflichtung übernommen, Pfarrhaus, Kaplanei, Schule und Glöcknerwohnung zu bauen und zu unterhalten. Als 1929/30 die neue Propstei gebaut wurde, zahlte die Stadt an die Kirchengemeinde als Abfindung sämtlicher Kirchenlasten die Ablösungssumme von 20 000 Reichsmark. Die frühere Kaplanei befand sich 1577 auf der Stelle, wo das 1930 abgebrochene städtische Gebäude vor der neuen Propstei (ehemalige Erdmannsche Bude) stand. Die neue Kaplanei ist 1910 errichtet worden.

Kirchliche Einrichtungen

Eine kirchliche Einrichtung war das alte Hospital. Es stand bis 1864 als einfacher Holzbau in der Nähe der Dimmerbrücke (Pscholka). Von 1864 bis 1885 war das Hospital in einem Gebäude am Anfang der nach ihm benannten Hospitalstraße und von 1885 bis 1910 im Krankenhaus untergebracht. Seit 1910 ist es mit dem Waisenhaus vereinigt. Im Jahre 1885 gelang es den Bemühungen des Propstes und nachmaligen Domherren und Weihbischofs von Ermland, Eduard Herrmann, ein neues, den Anforderungen der damaligen Zeit entsprechendes Krankenhaus zu errichten, mit dem das Hospital vereinigt wurde. Seit diesem Jahre ist im Altersheim eine strengere Hausordnung und ein gemeinsamer Haushalt unter Leitung von Ordensfrauen eingeführt, deren segensreiches Wirken unter oft schwierigen Verhältnissen ungeteilte Bewunderung verdient. Nach Erbauung des Waisenhauses im Jahre 1910 erfolgte die Unterbringung der Hospitalinsassen in diesem Gebäude.

Das Waisenhaus ist aus zwei wohltätigen Stiftungen erbaut worden: 40 000 Mark schenkte der Rittergutsbesitzer Richard Pruß von Schönbruch vor seinem am 18. September 1897 in Schöneberg bei Berlin erfolgten Tode, und 30 000 Mark gab später hierzu der Kaufmann Freund. Im Jahre 1932 wurde das Waisenhaus bedeutend erweitert. Gegenwärtig (1934) sind in ihm außer 9 Waisenkindern noch 55 Hospitaliten untergebracht. In dem im Jahre 1930 ausgeführten Anbau haben ein Kindergarten und eine Schwesternstation ihr Heim gefunden. Waisenhaus und Krankenhaus sind kirchliche Anstalten unter Leitung des Propstes.

Der erste Friedhof lag wohl rings um die Kirche. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Friedhof auf der Seeburger Vorstadt angelegt (später Ehrenfriedhof). Besondere Persönlichkeiten und Geistliche wurden in den Kirchengewölben beigesetzt. Der jetzige Friedhof gegenüber der kath. Volksschule wird erst seit 1831 benutzt und ist mehrfach erweitert worden, zuletzt im Jahre 1910 durch Ankauf der Zywinaschen und Jeschonnekschen Gärten und eines Geländestücks des Besitzers Zink. Auf diesem Teil ist seit 1922 beerdigt worden.

Quelle: Erwin Poschmann "Der Kreis Rößel"; Herausgeber: Heimatbund des Kreises Rößel, 4.Auflage, 1993

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