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Vier Jahrzehnte Kreisverwaltung Rößel


Bericht für die Jahre 1906 bis 1945

von Regierungsoberinspektor a.D. Otto Eisenblätter

Vorwort.
Der preußische Landrat hatte als Staatsbeamter polizeiliche und sonstige obrigkeitliche Aufgaben. Zugleich war er Leiter der kreiskommunalen Selbstverwaltung: Vorsitzender des Kreistages und des Kreisausschusses. Dieser Bericht betrifft hauptsächlich die staatlichen Aufgaben. Er soll nicht unterhalten, sondern durch zahlreiche Namen und Daten manchem helfen, eigene Erinnerungen aufzufrischen. Das kann für frühere Bürgermeister wichtig werden, wenn sie über längst vergangene Zeiten etwas bestätigen sollen. Berichtsunterlagen sind hauptsächlich die von mir geführten Tagebücher, deren Eintragungen ich an vielen Stellen einfach übernommen habe. Daher oft Telegrammstil und andere Zeitform. Über unterlaufene Irrtümer bitte ich um Nachricht.
0. E.

1906

Landrat Albrecht v. Perbandt wohnte privat im kleinen Gebäude gegenüber dem Kreishaus, brachte die täglichen Eingangssachen in Mappen über die Straße zu den Vorstehern der drei Büros und besprach dabei gleich die wichtigsten Schriftstücke. Zu auswärtigen Sprechstunden fuhr er mit seinem Wagen nach Rößel zu Bürgermeister Will, übernachtete in Bischofstein bei Bürgermeister Gunenberg und beendete über Seeburg seine Rundfahrt. Da er feurige Pferde hielt, mußte er mit seinem Fuhrwerk rechtzeitig auf einen Acker ausweichen, wenn auf der Chaussee ein Auto nahte. (Erst etwa 1920 wurde vom Kreis ein Kraftwagen angeschafft.) Im März wurde ich durch Regierungspräsident Hegel als "Kreissekretär" nach Bischofsburg versetzt. Mitarbeiter im staatl. landrätlichen Büro war u. a. Kreisschreiber Aloysius Krause, der 1921 Beamter wurde.

Im Steuerbüro wirkte Steuersupernumerar Paul Crusius. Steuerpflichtige mit mehr als 3000 Mark Jahreseinkommen, die Steuererklärungen abzugeben hatten, führte er in einem großen Buch, die übrigen wurden in den Listen der einzelnen Gemeinden veranlagt. Gewerbesteuern verteilten die Steuerausschüsse nach Mittelsätzen auf die Betriebe.

Für das kommunale Büro war Kreisausschußseketär Bruno Cornelius zuständig. Kreisphysikus Dr.Schütz wohnte in Rößel und kam nur gelegentlich zum Landratsamt. Sein Nachfolger Dr. Gallien wurde als Kreisarzt nach Bischofsburg berufen, baute sich ein Wohnhaus gegenüber dem Kreishaus und eine Garage für seinen Pkw. Kreistierarzt Siebert strengte sich mit seinem Fahrrad oft sehr an, besonders wenn Maul- und Klauenseuche herrschte. Darum beschaffte er sich als erster in Bischofsburg ein Motorrad.

Im Kreise gab es nur einen Gendarmeriewachtmeister zu Fuß (Fahrrad) und sechs Beamte zu Pferde, geführt durch den berittenen Oberwachtmeister Meyer (in Ruhe 1924, Oktober 1933).

1908

24. März: Regierunspräsident Dr.Gramsch im Kreishaus. Am 16. Juni erfolgte die preußische Landtagswahl zum letzten Male nach dem Dreiklassenwahlsystem. Die Wahlberechtigten der einzelnen Gemeinden wurden nach ihren Steuerleistungen in drei Gruppen geteilt, die je ein Drittel der Wahlmänner zu bestimmen hatten. Letztere kamen dann aus den Kreisen Allenstein und Rößel zusammen, um ihre Stimme mündlich abzugeben. Den Sommer über wurde das Kreishaus durch An- und Umbau erweitert. Das landrätl. Büro wurde in die oberen Räume verlegt (zwei Treppen). Im neuen Saal trat am 21. Dezember der Kreistag zusammen. Dazu erschien Regierungspräsident v. Hellmann, nahm auch beim anschließenden Essen im Hotel Reblin teil.

1909

An Stelle des seit 1899 in Bischofsburg in Garnison liegenden II. Batl. I. R. 146 kam das II. Batl. 1. R. 151, Kommandeur Major Schelle, fiel 1914. Seine Gattin war lange Zeit Vorsitzende des Vaterl. Frauenvereins Bischofsburg. Batl.Adjutant Austen wurde später als "Kreisrat" Bearbeiter von Wehrfragen.

1912

Am 11 Februar war Albrecht von Perbandt 25 Jahre Landrat in Bischofsburg. Vormittags enthüllte er das Kreiskriegerdenkmal vor dem Kreishaus, nachmittags waren gegen 250 Personen im großen Schützenhaussaal zur Feier anwesend. Kreisrentmeister Weinert wurde pensioniert, behielt aber seine Nebenämter ( 13. November  936). Sparkassenleitung fortan Pedack und Paul Bartlewski. Letzterer modernisierte den Kassenbetrieb (kam 1920 nach Deutsch Krone, 1945 nach Jülich, dort am 14. März 1956 verstorben).

1913

9. Dezember: Kreiskrankenkasse gebildet als Krankenkassenverband durch Vereinigung der Orts- mit der Landkrankenkasse. Leitung Carl Klein, nach dessen Versetzung Friedrich Klein (1945 vermißt).

1914

Frühzeitige Ernte. 1. August Mobilmachung. Am 7. August rückte das in Bischofsburg zusammengestellte III. Batl. Res. I R. 59 ins Feld.

Am 22. August wurde durch Fernruf angeordnet: Vieh und Erntevorräte über die Weichsel schaffen. Das veranlaßte die schon durch die Flüchtlinge aus den Grenzkreisen beunruhigte Bevölkerung zur Flucht. Am 24. August durchfuhr der aus Sensburg angekündigte letzte Zug den Bahnhof Bischofsburg, ohne die vielen dort wartenden Bischofsburger mitnehmen zu können. Das Landratsamt wollte in Seeburg im Hotel Kather Büros einrichten, erfuhr aber vom Bezirkskommando Rastenburg, daß weitere Verlegung nötig sei. Das Reservelazarett aus Bischofsburg hielt in Seeburg, fuhr aber nachts weiter. Die am Nachmittag nach Seeburg geschafften Sparkassenunterlagen wurden dort bei Dunkelheit gut verpackt vergraben; sie konnten nach zwei Wochen unversehrt wieder hervorgeholt werden.

Beamten und Angestellten wurde es überlassen, nach dem westpreußischen Aufnahmekreis Berent oder weiter zu reisen. Landrat v Perbandt fuhr am 25./26. August auf seinem Fuhrwerk über Glottau, Pittehnen an der Passarge und Liebstadt nach Preußisch Holland. Ich begleitete ihn und führte die wichtigsten Akten mit. In Preußisch Holland überließ Landrat v.Reinhard mir im Kreishaus ein Zimmer, das die Aufschrift bekam "Landratsamt Kreis Rößel". Dort konnte ich mit Viehherden eintreffende Flüchtlinge beraten. Als der große Sieg bei Tannenberg bekannt wurde, fuhren Landrat v. Perbandt und ich mit dem Fuhrwerk über Guttstadt nach Bischofsburg zurück. Dort begann am 8. September wieder der Dienst im Kreishaus. Das Personal fand sich nach und nach ein.

In der Zwischenzeit hatte sich wichtiges ereignet. Am 25. August besetzte das russische 6. Armeekorps (rechter Flügel der Narew-Armee) Bischofsburg, wurde aber am 26. August bei Sauerbaum/Groß Bößau geschlagen. Am 27. August war v. Mackensen in Bischofsburg, der mit dem XVII. Armeekorps die Russen über Passenheim verfolgte. Vom 25. August bis 4. September waren Teile der russischen Njemen-Armee im Kreise. Nur ein Streifen von einigen Kilometern Breite blieb 1914 vom Feinde unberührt. 117 Zivilpersonen wurden im Kreise getötet, 27 verschleppt. In Santoppen wurden am 28. August 22 Personen erschossen, als gegen den Willen Pfarrer Werners die Kirchenglocken zu einem Begräbnis läuteten. In Rößel erschien am 2. September ein Extrablatt mit russischen Anordnungen (ausführliche Berichte im Rößeler Heimatboten vom Oktober 1954 Nr. 5, Seite 1: Studienrat Pliszka, "Rößel 1914", Seite 4: Geheimrat Dr.  Schmeier, "Als Geisel bei den Russen").

Vom 7. bis 11. September war in Rößel das Oberkommando der 8. deutschen Armee (Hindenburg mit Ludendorff) zur Leitung der Schlacht an den masurischen Seen. Eine Gedenktafel im Zeichensaal der Taubstummenanstalt erinnert daran.

Am 18. September kehrte das Bezirkskommando nach Rastenburg zurück. Am 29. September erging die Aufforderung: Beamte nach Ostpreußen zurückkehren. Das im August unterbrochene Kriegsersatzgeschäft wurde vom 1. Oktober ab fortgesetzt. Vom 5. bis 12. Oktober Landsturmmusterung. Am 8. Oktober trafen Deutsche aus Böhmen zur Landarbeit ein. Am 23. Oktober begann Dr. Kadgien mit der Abschätzung von Viehverlusten, die teilweise durch im Kreise zurückgebliebenes Flüchtlingsvieh ausgeglichen wurden. Landrat v. Perbandt, an Herzmuskelschwäche leidend, mußte am 10. November den Kreis verlassen (wurde in Wiesbaden behandelt und starb dort am 19. Dezember).

Am 11. November erhielt ich einen Brief des Bezirkskommandeurs v. Hatten: Falls das Bezirkskommando wieder verlegt würde, müßte das Landratsamt für rechtzeitigen Abtransport der wehrfähigen Männer sorgen. Am gleichen Tage überfiel russische Kavallerie den Zug Rudzanny-Allenstein bei Schwentainen-Jerutten. Von den Reisenden wurden 22 getötet, 46 verletzt. Auf Anfrage beim Ober- und Regierungspräsidenten erhielt ich die Antwort: Nach pflichtmäßigem Ermessen handeln! In der Nacht ließ ich den Abtransport vorbereiten. Am 12. November Ferngespräch mit stellvertretendem I. Generalkommando in Königsberg; Generalmajor v. Unger: Russen sind zurückgeworfen, Männertransport könnte unterbleiben.

Bischofsburg war ziemlich leer geworden. Im November gingen besonders auch solche Einwohner weg, die im August geblieben waren. Vom 11. November bis15. Dezember waren Bartlewski, Cornelius, Kaffka und ich auch nachts im Kreishaus. Bartlewski beköstigte uns. Das Reservelazarett wurde am 12. November nach Stuhm verlegt. Am 28. November erklärte das Etappenkommando Rastenburg: Rückkehr von Flüchtlingen soll vorläufig unterbleiben. Am 10. Dezember gab der Landeshauptmann bekannt: Flüchtlinge können nach Ostpreußen zurück und erhalten Freifahrscheine.

Am 24. Dezember war in Langendorf, Kreis Wehlau, Begräbnisfeier für den langjährigen Landrat, Geh. Regierungsrat v. Perbandt. Wegen der schwierigen Verkehrsverhältnisse konnten nur Cornelius, Pedack und ich hinfahren. Bürgermeister Keilmann schloß sich uns an. Oberpräsident v. Batocki sagte dort aufmunternde Worte zur weiteren Arbeit ohne Landrat.

1915

Im Kreise waren viel Kriegsschäden entstanden, besonders in Bischofsburg beim Rückzug der Russen zahlreiche Gebäude abgebrannt. Von Görkendorf standen nur noch einige Gehöfte. Zu Vorschußzahlungen stellte mir Regierungspräsident  v. Hellmann erhebliche Beträge zur Verfügung, wöchentlich meist 100 000 M. Als die Stelle des Landrats wieder besetzt wurde und Reg. Assessor Jos. Waldhausen am 13. Februar eintraf, atmete ich erleichert auf.

1916

Es wurde ein  K r i e g s h i l f s a u s s c h u ß  gebildet. Darin haben Kaufmann Adolf Bischoff, Gutsbesitzer Hönig Senkitten, Gutsbesitzer Schacht (später Pfaffendorf,  1949) und Apotheker Ernst Schnabel ( 10 4 23) jahrelang ehrenamtlich viel gearbeitet. Auch Rittergutsbesitzer Regnauld Sarasin-Bergenthal, nachdem er als Gefangenen-Überwachungsoffizier in den Kreis zurückgekehrt war ( 24. 3. 42). Amtsgerichtsrat Seeringen wurde als hauptamtlicher Sachbearbeiter in den Feststellungsausschuß berufen. Bürovorsteher war Kreisschreiber Jul. Kretschmann (später Johannisburg, jetzt Kreisinspektor a D. in Bad Godesberg). 8000 Schadensfälle waren angemeldet und wurden einzeln durchgeprüft. Pauschal-Hausratentschädigung gab es damals nicht. Den Gebäude-Wiederaufbau leitete die Bauberatungsstelle in Sensburg. Vielen Wirtschaften fehlten die nötigen Pferde. Wenn über die Landwirtschaftskammer Beutepferde eintrafen, war großer Andrang. Die Bewerber mußten in Dringlichkeitsgruppen eingeteilt werden, innerhalb derer über die Reihenfolge das Los entschied. In  K r i e g e r g r ä b e r n  ruhten nach Zusammenlegung durch das Gräberamt 397 deutsche Soldaten, 353 Russen, 76 Zivilisten. Der größte Ehrenfriedhof in Sauerbaum enthielt 191 deutsche und 154 russische Soldaten. In Görkendorf ruhten westlich der Chaussee 30 deutsche Soldaten. Die Kreissparkasse entwickelte sich gut. In Bischofstein, Rößel und Seeburg wurden Nebenstellen eingerichtet.

1917

Am 22. Februar erhält Bruno Cornelius anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums die Bezeichnung "Bürodirektor". Im Anschluß an den Kreistag am 16. April sprach Oberpräsident v. Windheim über die ernste Ernährungslage. Am 10. Oktober kam Regierungspräsident v. Oppen einige Stunden zur Kreisverwaltung. Vorsitz im Kreisverband der Vaterländischen Frauenvereine ging von Frau Ella v. Fischer-Loszainen über an Frau Clara Waldhausen, geb. v. Stockhausen. 1921-1924 folgte dieser ihre Schwester Frl. Jeanne  von Stockhausen, bis sie den Landrat des Nachbarkreises, Graf v. Brühl, heiratete.

1918

Der in Bischofsburg gebildete Arbeiter- und Soldatenrat übergab am 12. November sein Programm. Fortan setzte der Arbeiterrat seinen Sichtvermerk auf die amtlichen Verfügungen. Am 30. November wurde auf dem Kreishaus neben der Reichsflagge ein kleiner roter Wimpel gehißt. Am 11. Dezember, als ein Oberleutnant des Pferdedepots 55 die Veräußerung der Pferde dem Landratsamt überlassen wollte, stürmten vom Soldatenrat Sensburg einige Männer mit roten Halstüchern ins Büro, rissen die Papiere an sich und verkauften in den nächsten Tagen die Pferde in Rothfließ auf eigene Art.

1919

19. Januar: Wahl zur Nationalversammlung. 6. Februar: Wahl des Reichspräsidenten Ebert. Durch Einrichtung der  F i n a n z ä m t e r  wurden die staatlichen Steuerbüros von der Kreisverwaltung abgetrennt. Leiter des Finanzamts Bischofsburg zuerst Rechtsanwalt Dost, später Reg. Rat Eberhardt ( Sept. 1947). Letzter Vertreter Obersteuerinspektor Westphal. Am 9. Juli wurde die bisher nebenamtlich geführte   F o r s t k a s s e  (Kolhof,  Jan. 1934) hauptamtlich eingerichtet, Rentmeister Goldberg. Das Forstamt  S a d l o w o  umfaßte alle im Kreise liegenden staatlichen Förstereien, auch Wieps. Leitung: Oberförster Krause, zuletzt Forstmeister v. Hennig ( in Rußland, etwa 1943). 11. August: Reichsverfassung der Deutschen Republik. 18. August:kleiner Auflauf vor dem Kreishaus; es wurden mehr Lebensmittel verlangt. Nachts trafen mit LKW aus Rößel Angehörige der Kreiswehr ein, die aber am andern Tag zurückfahren konnten. Im November wurde das Kriegsschadenbüro aufgelöst. Rund 9 Millionen Mark betrugen die vom Staat gezahlten Entschädigungen.

1920

 A b s t i m m u n g . Am 11. Februar traf die interalliierte Kommission in Allenstein ein. Deutscher Reichskommissar Frhr. v. Gayl, Vertreter Geh. Regierungsrat v. Jerin.; Für den Kreis Rößel waren französische Kontrolloffiziere zuständig: Major Hueghes und Capitain  de Saint Sernin. 16. Februar: Vorstellung der Beamten im Sitzungssaal mit Loyalitätserklärung. Sonntags wehten vom Kreishaus die englische, französische, italienische und japanische Flagge. Das Allensteiner Abstimmungsgebiet war vom übrigen Deutschland so streng abgegrenzt, daß man zu Reisen nach außerhalb den Sichtvermerk eines besonderen Kommissars brauchte. Als am 13. April eine polnische Theatergruppe im alten Finanzamt spielte und ein Mitglied die auf dem Markt sich ansammelnde Bevölkerung reizte, kam es zu einem Tumult, der international untersucht wurde. Am 11. Juli stimmten im Kreise 35 248 deutsch, 758 polnisch, 25 ungültig. Erinnerungen an die Abstimmung von Rektor i. R. Teichert "Bischofsburg blieb deutsch" im Rößeler Heimatboten vom Sept. 1955, Seite 39/40. Der Kapp-Putsch berührte den Kreis nicht. Das  K r e i s w o h l f a h r t s a m t  wurde ausgebaut. Dessen Leiter (Korioth, dann Dr Cosler) übernahm auch die von mir früher ausgefüllten Stellen im Roten Kreuz und Vaterländischen Frauenverein.

1921

20. Februar vierfache Wahl: Reichstag, preuß. Landtag, ostpr. Provinziallandtag, Kreistag. 20. Juni: Landrat Waldhausen als Oberregierungsrat und Leiter der Schulabteilung nach Allenstein versetzt (später Vizepräsident, 1933 beurlaubt, dann nach Kassel versetzt, ( 11. 5. 45). Am 8. Juli traf Reg. Assessor Hugo Neumann als künftiger Landrat ein.

1922

Am 1. März beschloß der Bezirksausschuß, die Lehrernaturalien neu zu bewerten, um sie der Geldentwertung anzupassen. Die Umrechnung brachte viel Arbeit und manchen Verdruß für die Beteiligten mit sich.

1923

Im November galt der Dollar 4200 Milliarden Papiermark, 1 Goldmark = 1 Billion Papiermark. Meine Gehaltsquittung über rd. 50 Zahlungen 1923 lautete über 934 Billionen und 840 Milliarden Mark = 934 840 000 000 000 Mark. Am 15. November brachte die Rentenmark wieder geordnete Verhältnisse.

1924

Standesamtsbezirk Bischofsburg Land aufgelöst und zum Stadtbezirk zugeteilt. Am 7. Dezember wurde Landrat Hugo Neumann als Zentrumsabgeordneter in den Reichstag gewählt und mußte oft lange in Berlin bleiben. Daher waren der Kreisverwaltung acht Jahre lang Regierungs Assessoren zugeteilt. Zuerst Dr. Hippler, der am 10. Dezember eintraf.

1925

Bisher war die  s t a a tl. K r e i s k a s s e  in Sensburg auch für den Kreis Rößel zuständig. Nunmehr wurde für letztere eine eigene staatl. Kreiskasse eingerichtet und mit der Forstkasse verbunden. Leiter vorerst Rentmeister Goldberg, dann Langhans (l. 5. 43 i. R.,  1945), Paul Ehlers (l. 8. 44 versetzt), Süß ( 14. 4. 45). Die Kasse zog 1925 in das neu erbaute städt. Gebäude Herrmannstr. 10. Dort wurde 1926 auch das aus Rößel verlegte Katasteramt untergebracht. Direktor: Vermessungsrat Oberstadt (versetzt,  April 53), dann Fobbe (jetzt Obervermessungsrat in Brühl, Bez. Köln). Die Einheitskurzschrift wurde in der Kreisverwaltung schon früher eingeführt als ministeriell vorgeschrieben. Reg. Referendar Bruno Drews war mit Kursen beauftragt.

Josef Waldhausen, geb. 9. Oktober 1882, Landrat in Bischofsburg vom 13. Februar 1915 bis 1921, danach in Allenstein als Oberregierungsrat, Leiter der Schulabteilung, 1. November 1923 Reg. Vizepräsident, 1933 beurlaubt, 1934 versetzt nach seiner Heimat Kassel,  11. Mai 1945, herzleidend.

1925

Reg. Ass. Dr. Hippler im Mai nach Osnabrück versetzt (später Landrat, dann bei Regierung Stade). Nachfolger Reg.-Ass. Schulte seit 19. 5.

1927

Kreisbaumeister Scheff1er trat in den Ruhestand. Das Straßenwesen wurde vom 1. 10. 27 an dem seit 1906 amtierenden Kreiswiesenbaumeister  F r a n k  zusätzlich übertragen unter Änderung der Amtsbezeichnung in "Kreisbaumeister".

1928

Die Gutsbezirke wurden aufgelöst und den benachbarten Landgemeinden zugeschlagen. Im Kreis nun 4 Stadt- und 81 Landgemeinden auf 851 qkm Kreisfläche. 12 ländliche Amtsbezirke (Ortspolizeibezirke). Die Einwohnerzahlen sind im Rößeler Heimatboten September 1955, Seite 35 angegeben, 1816 26 750, 1933 50 316, 1939 51 832. 6. November: Siedlungstermin Schönbruch (früherer Besitzer Söcknick, dann Graw), Leitung Frhr. v. Gayl. Neue Gemeinde Schöndorf, Schulgründung.

1929

Reg. Ass. Schulte 1. August nach HiIdesheim versetzt. Nachfolger Dr. Ratuschny.

1930

4. Mai Einbruch beim Landratsamt. Entwendete Schreibmaschine nach vier Jahren nahe der Kaserne in einer Grube aufgefunden.

1931

21. Mai Siedlungstermin Legienen (Hauptmann Caspar,  in Berlin). Am 22. Mai beschloß der Kreistag, ein Haus als Dienstwohnung des Landrats zu bauen. Nach dem neuen preußischen Polizeiverwaltungsgesetz vom 1. Juni fanden fortan örtliche Geschäftsprüfungen bei den Amtsvorstehern statt.

1932

28. April: Begräbnis Franz Harich sen., Verleger des Amtl. Rößeler Kreisblattes und der Bischofsburger Zeitung. 31. Juli Reichstagswahl: Von 24 765 gü1tigen Stimmen 6037 NSDAP.
1. August Schießerei an der Kaserne, zu deren Aufklärung ein Sondergericht vom 22. August bis 1. September tagte.
1. Dezember: Feuersozietätskasse mit der Kreisverbandskasse vereinigt.
31. Dezember: Reg. Ass. Dr. Ratuschny nach Oppeln versetzt (später Wehrmacht, amer. Gef., jetzt Reg. Dir. in München).

1933

3. März kleines Feuer im Stall am Bahnhofshotel Schulz, daraufhin einige Kommunisten verhaftet. 5. März Reichstagswahl: Von 25 728 Stimmen fielen 9 951 auf die NSDAP.
6. März hißte SA eigenmächtig auf dem Kreishaus die Hakenkreuzflagge. Der Landrat ließ sie wieder herunterholen, da die Änderung der Flaggenbestimmung noch nicht erfolgt war.
7. April: neuer Kreistag wählte Kreisausschußmitglieder Mayer, Kolwe u. a.
12. April: Landrat Neumann beurlaubt, anschließend in den Ruhestand versetzt, wurde Rechtsanwalt in Königsberg (1945 in Dänemark Lagerrichter, dann Präsident des Oberverwaltungsgerichtes Südbaden, jetzt i. R. in Konstanz; vgl, Ostpreußenblatt 1955, Folge 13). Vertreter: Reg. Ass. (Nikolai?) (13. bis 22.  April, Reg. Ass. Hermann 22. April bis 8. Juni. Am 9. Juni traf Franz Frhr. v. Lüninck aus Gumbinnen ein, um das Landratsamt zu übernehmen.

Im Kreis waren zwei Kreisschulinspektionen:
a) R ö ß e 1 : Schulrat Schlicht, 1911 bis 1919 Thiel, dann Schwarz bis 1933 (Bild im Rößeler Heimatboten April Seite 22).
b) W a r t e n b u r g für den südlichen Kreisteil und Teile des Kreises Allenstein: Fulst 1904 bis 1912, Jos. Bader 1912/13 , dann nach Allenstein versetzt, Radtke bis 1933.
Im April 1933 wurden im Regierungsbezirk Allenstein Schu1ämter eingerichtet, Schulräte in Bischofsburg Schützenhofer seit 7. April 1933,  September 1938 in Tirol, wo er zur Erholung weilte. Schulrat K1eist kam zur Wehrmacht (als Oberstleutnant a. D., jetzt in Celle). Vertreter: 1938/39 Dr. Pasternack, Sensburg, 1943 Phlillip? Ortelsburg, zeitweise Rektor Rawa (in Bischofsburg 1919 bis 1945, jetzt i. R. in Rheinbreitbach), 3. Mai 1944 bis Januar 1945 Rektor Schulz aus Berlin.
13. Juni: Siedlungstermin in Worplack (Besitzer v. Frankenberg).
12. Novembe: Abstimmung über Regierungspolitik. Nach dem preußischen Gesetz vom 15. Dezember blieben Kreisausschüsse nur als Kreisverwaltungsgerichte bestehen (September 1939 wieder beseitigt). Beschlußbefugnisse den Landräten übertragen.

1934

1. August: Kreisrechnungs- und Gemeindeprüfungsamt eingerichtet. Übernimmt örtliche Prüfung der Gemeindekassen, ab 1936 auch der Schulkassen. Leiter: Anton Alsch??(1937 nach Krefeld), 1. Juli 1937 Max Poschmann, seit 1. Jan. 1939 Franz Pollul.
Ehrenkreuze verliehen: für Frontkämpfer 4 073, für Kriegsteilnehmer 505, Witwen 213, Eltern 273.
19. August: Abstimmung über die Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers: 200 Nein-Stimmen.
27. August: Vereidigung der Beamten auf Hitler gemäß Gesetz vom 20. August 1934.
Oktober 1934 erhielt Bischofsburg wieder Garnison: III. Batl. Inf. R. Allenstein = IR 2. Major Ramke sportlich begeistert, später General der Fallschirmjäger. 1935 bis 19?? Batl. Kommandeur Major Friebe, später Generalleutn., Familie bis Januar 1945 in Bischofsburg.

1935

Durch Gesetz vom 16. März allgemeine Wehrpflicht eingeführt. 1. bis 5. August erste Musterung. Die drei Stadtsparkassen in Bischofsburg, Bischofstein und Rößel wurden aufgelöst und der Kreissparkasse einverleibt. Dir. Poschmann wurde in den Kreisdienst übernommen, Rendant Matthe zur Kreissparkasse. Anschließend wurden die Geschäftsräume der Kreissparkasse bedeutend erweitert und modernisiert. Dir. Konrath bis 15. Dezember 1941 ( 17. Febr. 1951 durch Verkehrsunfall). Nachfolger Direktor Jos. Bischoff aus Seeburg (seit 1945 in Jork 216, Bez. Hamburg). Die 1934 von der Kreissparkasse abgetrennte Kreisverbandskasse kam ins Kreishaus, Kreisrentmeister Xanke (seit 1945 in Treuenbrietzen). Das preußische Schulunterhaltungsgesetz führte zur Bildung von 12 Gesamtschulverbänden. Daneben blieben 62 Eigenschulverbände. Schullasten fortan zur Hälfte nach Steuern, zur Hälfte nach Schulkinderzahlen auf die zugehörigen Dörfer zu verteilen. Wegfall der Patronatslasten.
26. Juli in Gr. Bößau der 100jährigen Frau Borkowitz die Ehrentasse überreicht; in Stellung gewesen bei Landrat Frhr. v. Puttkamer in Kunzkeim.

1936

3. Januar: Reg. Refr. Döhring Dienst angetreten (später Reg. Rt.,  in Frankreich).
29. März Reichstagswahl: "ja" zu stimmen. 7. Mai bereitete Hauptmann v. Karmainski die Musterung in der Taubstummenanstalt Rößel vor.
26. Juli Bezirksparteitag in Bischofsburg, Gauleiter Erich Koch sprach, sah ermländischen Brautzug.
7. Dezember: Begräbnis Kreisausschußinspektors Erdmannsky.

1937

2. April Abschiedsfeier für Landrat Frhr. v. Lüninck, der wieder ins Forstfach zurückkehrte und in seiner Heimat wunschgemäß das Forstamt Glindfeld bei Medebach erhielt. Am 19. Juni traf Landrat Dr. Braun aus Angerburg als Nachfolger ein.
Am 1. Oktober trat Gendarmerie-Kreisführer Gend. Oberleutnant Ollech in den Ruhestand (2. Mai 1945, Glogau vermißt), Nachfolger Gend. Oberleutn. Neumann.
1. November: Abschiedsfeier für Bürodirektor Bruno Cornelius, der nach Königsberg zieht ( 3. März 1954 in Güstrow. Nachfolger Altmeyer war viel unterwegs, 7. Dezember zur Wehrmacht, 24. April 1942 bis 1. Januar 1944 besetzte Gebiete ( wohl 1945). Vertreter bis 10. September 1943 Kreisinspektor Schleich ( wohl 1945).

1938

Die sogenannte Kristallnacht zum 10. November verlief ohne merkliche Zwischenfälle. Das Ehrenkreuz der Mutter war auch in der höchsten Form sehr zahlreich zu verleihen. Stufe1 = 1689. St 2 = 1218. Stufe 3 = 1415 mal. (Stufe 1 = 8 und mehr Kinder, Stufe 2 = 6 und 7 Kinder, Stufe 3 = 4 und 5 Kinder, lebend geboren.)

1939

14. März Abschiedsfeier für Kreisleiter, Kreisdeputierten und Bürgermeister Walter Mayer, der als 1. Bürgermeister nach Braunsberg kam.
28. April: Rundfunkübertragung: Hitler kritisiert Botschaft des amerikanischen Präsidenten Roosevelt, kündigt Abkommenmen mit England und Polen.
Am 29. April starb Kreisdeputierter August v. Schleußner, 3. Mai Begräbnis in Teistimmen. Am 6. Mai setzte sich der neue junge Kreisleiter Grego sehr für Bevorzugung der Allensteiner Zeitung ein.
27. August: Bezugsscheine eingeführt. 28. August: Kreiswirtschaftsamt und Ernährungsamt Abt. B eingerichtet, Leiter Kreisoberinspektor Pollul.
Freitag, 1. September, Rundfunkübertragung aus dem Reichstag; Hitler: 2 Tage auf polnische Vertreter gewartet, seit heute früh wird zurückgeschossen.
26. September: Hauptmann Mühlenberg vom Wehrmeldeamt versetzt ( 14. Dezember 1941). Major Ackermann (Rastenburg) erhält die Pferdeablieferungsscheine. Ersatzbataillon 311 in Bischofsburg aufgestellt, Major v. Saß: Bitte Urlaubsanträge streng zu prüfen.

1940

6. Januar: Bürgermeister Rogail zum Kreisdeputierten ernannt.
1. März: Oberstleutnant Presting zum Bezirks Kommando Allenstein versetzt ( 1945).
Seit 1. April führen die staatlichen Bürobeamten der Kreisinstanz die Bezeichnung "Regierungs" . . ., statt früher "Kreis" . . . (Bachner, jetzt Regierungs-Oberinspektor in Bonn, Elias  23. April 1951, Al. Krause  1. März 1945, Danzig; Seefeld Januar 1945 verschollen; Tilden  3. Februar 1956 in Duisburg). Laut Ministerialanordnung vom 14. Mai 1940 über Änderung der Dienstbezeichnung für die Bürobeamten heißen die bisherigen Kreisausschußbeamten fortan .,Kreis" . . . (Erich Birkner, jetzt Ingelheim/Rhein 2, Korbe, jetzt in Hildesheim, Anton Steiplewitz jetzt in Bottrop.)
8.-15. Juni Musterung in Rößel.
26. Oktober: Kreisoberinspektor Kowalewski, aus der Wehrmacht entlassen, übernimmt wieder das Wohlfahrtsamt (seit 28. Januar 1945 verschollen).
25. November: Gendarmerie Kreisführer Oberleutnant Neumann nach Soldau abgeordnet ( 21. Januar 1945 bei Thorn). Vertreter bis 20. November 1942 Oberleutnant Kraffzig aus Wartenburg ( Herbst 1950). Pferdemusterungsoffizier ist seit 16. Juli Oberstleutnant Reck, Allenstein.
Am 3. August zog die Stadtverwaltung Bischofsburg um in die von Perbandt Straße 17. Vorher war da das Wehrbezirkskommando.
29. August: Zeitungsverleger aus Bischofsburg, Bischofstein und Rößel wünschen Weiterbestehen des Amtlichen Rößeler Kreisblattes, das einen etwas geänderten Kopf erhält.
Am 12. September starb Admiral a. D. von Fischer-Loszainen, der lange Zeit in Kiel Adjutant des Prinzen Heinrich war. Seine Mutter, geb. Jachmann, führte bis 1917 den Vorsitz im Kreisverband der Vaterländischen Frauenvereine.
Am 11. November zog das staatl. Gesundheitsamt, Leiter Medizinalrat Dr. Prechtl, aus dem Haus des Medizinalrats Dr. Gallien ( 14. Februar 1954 in Coswig) in das von der Stadtverwaltung geräumte Rathaus.

1941

29. April: Dienstversammlung der Bürgermeister (Luftschutz, Wirtschaftsfragen, Kennkarten). Am 8. Mai stellte das Reich für Dürreschäden 1940 im Kreis Rößel zunächst 400 000 Mark bereit. "322 000 Mark folgen."
Sonntag, 22. Juni, Goebbels im Rundfunk:  K r i e g   m i t   R u ß 1 a n d . Schulen schließen.   23. Juni erster Luftschutzalarm in Bischofsburg.
18. Juni bis 21. Juli waren Kinder aus dem Memelgebiet im Kreis.
3. Juli Dr. Prechtl vom Gesundheitsamt versetzt nach Uelzen. Am 2. August Nachfolger Dr. Schütz eingetroffen.
2. August: Kreisbauernführer Kolwe auswärts eingesetzt. Nachfolger Domnick.

1942

Am 13. August wurde das Kreiskriegerdenkmal vor dem Kreishaus abgebrochen, am 30. Oktober der Bronzekrieger zum Verschrotten abgeholt. Ab 1. Oktober im Kreishaus Umbau des großen Treppenhauses zu Büroräumen, da trotz enger Belegung des Saales die Räume wegen der ausgedehnten Kriegswirtschaft nicht mehr ausreichten. Der Kreis sollte eine Tierkörperverwertungsanstalt bauen, doch wurde schließlich davon Abstand genommen. Kreishochbaumeister Becker war durch die Planungen viel in Anspruch genommen.
25. Nov.: Stellv. des Gend. Kreisführers an Stelle des Gend. Oberlt. Kraifzig fortan Gend. Oblt. Skusa (jetzt Bückeburg).
3. Dezember: letzte V i e h z ä h 1 u n g : 13 411 Pferde, 34 386 Rinder. 3017 Schafe, 24 793 Schweine, 1566 Ziegen, Hühner, 15 950 Gänse, 7065 Enten, 8327 Truthühner, 6056 Bienenstöcke, 7614 Kaninchen.

1943

Gem. Min. Erlaß vom 17. März über Vereinfachung der Verwaltung hatte ich vom 1. April ab auch Aufgaben im kreiskommunalen Sektor zu übernehmen.
Am 10. April fielen Bomben in Bredinken, Sternsee und Modlainen. 15. April Lehrgang über Luftschutz für Amtsvorsteher.
Am 1. Mai wurde die Bank der Ostpr. Landschaft (Nebenstelle) in Rößel aufgelöst und von der Kreissparkasse übernommen. In den Geschäftsräumen der Landschaftsbank wurde dann die Zweigstelle der Kreissparkasse untergebracht.
Am 5. August wurden 7650 Berliner Mütter und Kinder in den Kreis angekündigt und Räume dafür beschlagnahmt. Nach und nach trafen sie mit hohen Erwartungen ein.
Am 26. August wurde die Volkskartei stillgelegt. Für jeden erwachsenen Kreisangehörigen enthielt sie seit 1940 neben Personalangaben auch Vermerke über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten.
Am 26. November bestanden im Kreise 180 Lehrerstellen, davon waren 58 nicht besetzt. 8460 Schulkinder.

1944

19. Februar: Anordnung: Berliner Kinder umzuquartieren. Am 25. April waren im Kreise 43 Berliner Lehrkräfte mit 1932 Berliner Kindern. Im Juli reisten die Berliner Evakuierten nach Berlin zurück.
Am 18. April hielt der schon seit 23. Mai 1940 nach Bbg. versetzte, aber bisher bei der Wehrmacht zurückgehaltene Gend. Kreisführer Gend. Oberlt. Alzuhn seine erste Dienstversammlung ab. (9. April 1945 russische Gefangenschaft, erst 16. Januar 1956 zurück, jetzt in Wedel bei Hamburg.)
11. Juli Anordnung Schutzgräbe zu bauen. 17. Juli Notdienstabordnungen zu Befestigungsarbeiten an ostpreußischer Grenze. Auch viele Kräfte der Kreisverwaltung im Raum Ostrolenka/Bialystok eingesetzt. Kriegslazarett kam in Bischofsburger Schule.
4. August Bürgermeister Bgb.: "Gauleiter läßt nicht zu, daß Bevölkerung flüchtet, daher habe ich Reisegenehmigungen verweigert."
Am 18. August waren im Kreise 12 000 Evakuierte aus Gumbinnen, Ebenrode, Treuburg, Tilsit und Königsberg. Finanzamt "Bezirk Bialystok" hatte Sitz in Bbg.
Am 21. August ordnete die Stapo an, frühere Abgordnete des Kreises und der Städte, soweit sie nicht NSDAP angehörten, festzusetzen. Diese wurden nur augefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben und sich am 23. August im Gesundheitsamt zu stellen. Gutachten Medizinalrätin Drews.
Am 18. Oktober wurde in Bischofsburg auf Anordnung der Partei durch die Zivilbevölkerung mit sog. Rundbefestigungen begonnen; Frauen halbtags eingesetzt.
Volkssturm, durch Gauleiter Koch am 23. August befohlen, hatte am 15. Oktober Musterung in Bbg. Am 23. Oktober begann Ausbildung des 1. Marschbataillons, am 11. November dessen Einsatz.
Im Oktober wurden die Bewohner des Kreises Goldap in den Kreis Rößel evakuiert und brachten rd. 18000 Pferde mit. Die Goldaper Kreisverwaltung und Kreissparkasses setzt in Bischofsburg ihre Arbeit behelfsmäßig fort.
Aus der Schlußbilanz der Rößeler Kreissparkasse in runden Zahlen: 1943: Spareinlagen 24,6 Mill. RM, Giroeinlagen 4,4 Mill. RM, Gesamteinlagen 29 Mill. RM. 1944: Spareinlagen 34.4 Mill. RM, Giroeinlagen 6 Mill. RM, Gesamteinlagen 40,4 Mill. RM.

1945

20. Januar, Sonnabend: Zwei Bombenangriffe auf Bischofsburg. Mit den nachträglich an Verletzungen Verstorbenen stieg die Zahl der Toten auf etwa 60. Im Kreishaus und im Sparkassengebäude am Markt Sachschäden.
Durch landrätliche Verfügung vom 20. Januar an die Beamten und Angestellen wurden für den Fall einer Räumung der Stadt Anordnungen über die Meldung am neuen Aufenthaltsort getroffen.
21. Januar. Sonntag früh: Parteibefehl: "Südlicher Teil des Kreises einschließlich Bischofsburg binnen 36 Stunden räumen". Vorhandene Kraftfahrzeuge zum Abtransport von Frauen und Kindern mach Bischofstein eingesetzt. Zug Bischofsburg-Rothfließ bis nachmittags durch Beschädigung der Bahnstrecke aufgehalten.
22. Januar: Trotz der Unsicherheit waren die meisten Gefolgschaftsmitglieder weiter zum Dienst erschienen. In Mehrzahl wurden sie unter Aushändigung der Versichertenkarten beurlaubt, nur einige, als für die "Restverwaltung" bestimmt, zurückgehalten.In der Nacht zum 23. Januar wurden einige Beamte nach Rößel beordert, um dort im Rathaus eine Ausweichstelle zu bilden.
Am 25. Januar, abends, endete meine Tätigkeit im Kreishaus. Deutsche Soldaten nahmen im Büro Quartier.
Am 26. Januar, Freitag, fuhr Landrat Dr. Braun mit mir nach Rößel. Am 27. Januar fanden in der Zweigstelle der Kreissparkasse die letzten Beratungen statt. Dort waren die aus Bischofsburg hergeschafften Kisten mit wichtigen Akten, Schreibmaschinen usw. aufgestapelt. Alle Bemühungen um Fahrgelegenheit, wenigstens für die Mitarbeiter der Restverwaltung, blieben erfolglos. Der am Bahnhof haltende letzte Flüchtlingszug war überfüllt, auch Postbusse konnten keinen Platz hergeben. Frühere rechtzeitige Bergung von Sparkassenkonten und anderen Urkunden war durch die Parteiorgane verhindert worden, die abhängig waren vom Gauleiter als "Reichsverteidigungskommissar".
Sonnabends spät gaben vor dem Hause des Kreisangestellten Jos. Goerig Soldaten bekannt: Rößel wird geräumt, morgen um 7 Uhr soll alles weg sein! Sechs Beamte machten sich abends zu Fuß auf nach Bischofstein.
Am 28. Januar, Sonntag, verließen der Landrat und die letzten Kreisbeamten Rößel, teils nachts von fremden Fahrzeugen mitgenommen, nur mit Handgepäck. Ich ging mit Jos. Goerig ( Mai 1945) am Sonntag aus Rößel, über Sturmhübel, Plausen in den Kreis Heilsberg. Mein weiterer Weg über Braunsberg, Frauenburg, Frisches Haff, Nehrung ist erwähnt im Rößeler Heimatboten vom April 1955, Seite 28, in dem Bericht "Wie die Bischofsburger Gemeindeliste entstanden ist". Vom 9. bis 19. Februar war ich in Danzig. Im Schalterraum des Hauptpostamts versammelten sich mittags eine Anzahl von Kreisangehörigen. Hier fanden die letzten Amtshandlungen der Kreisverwaltung statt. Landrat Dr. Braun kam dann nach Dänemark, ich über Stolp, Eberswalde, Rostock nach Holstein.

Gott hat mich gnädig geführt. Ihm danke ich auch dafür, daß ich mit so vielen, lieben, fleißigen und treuen Menschen zusammenarbeiten durfte.
Ich schließe mit Worten unserer ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel:

Quelle: "Rößeler Heimatbote" Fortsetzungsfolgen in Nr. 3/4 aus 1956, Nr. 1, 2, und 3 aus 1957 sowie Nr.1 aus 1958

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