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Von alten Straßen-
und Flurnamen

Die alten Straßen- und Flurnamen unserer Dörfer und Städte lassen nicht selten wichtige Rückschlüsse auf die Ortsgeschichte, Wirtschaftsweise und Denkart unserer Vorfahren zu, Sie gehören deswegen zu dem Ehrwürdigsten, das uns von den Vorfahren überkommen ist.

Die schmucke Bahnhofstraße lag noch um 1890 mitten im freien Felde. Als Rößeler Landstraße führte sie über das Bahnhofsgelände hinweg und weiter am Windmühlenberg (Nähe Abbaubesitzer Poetsch) vorbei. Erst seit der Errichtung des Bahnhofs in den 90er Jahren überquert die umgeleitete Rößeler Straße die Bahngeleise in der Nähe der Villa Hedwig. In der Pestzeit 1710 wurden die Toten mitten auf der breiten Landstraße begraben; später errichtete man als Erinnerungszeichen die drei Pestkapellchen. An dem von der Schützengilde im Jahre 1906 erbauten Schützenhause führte der Schützenweg vorbei.

Die Von-Schroetter-Straße trug den Namen des Landrats Freiherr von Schroetter, in dessen Amtszeit die für Bischofsburg so bedeutungsvolle Verlegung des Landratsamtes von Rößel nach Bischofsburg fiel (1862). Nach dem Landrat von Perbandt (1887-1914), dem Propst und späteren Weihbischof Herrmann (1869-1898) und dem langjährigen Bürgermeister Klefeldt (1874-1910) haben drei weitere Straßen ihre Namen erhalten. Da durch Bischofsburg die alte Heerstraße Königsberg-Warschau führte, nannte man die in ihrem Zuge liegenden Straßen der Stadt Königsberger und Warschauer Straße. Die letztere wurde später Allee und nach dem ersten Weltkriege Hindenburgstraße genannt.

Die hinter dem Gnatowskischen Hause liegende Bodenerhebung hatte 1792 noch den Namen Bischofsberg; zweifellos stand dort von 1389 bis zum Städtekrieg (1454-1466) die bischöfliche Burg. Die Mälzerstraße hatte ihren Namen von einem früheren Mälz- und Brauhause. Im Volksmunde heißt die Straße aber nach dem Böttchermeister Jockel, der gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im Brauhause Wohnungen einrichtete, Jockelei.

Die drei Brücken der Stadt hießen: Hospital- (nach dem alten Hospital benannt, später Pscholka), Mühlen- (nach der städtischen Mühle, später Schulz und Koell) und Kuhbrücke (nach den Viehtränken benannt). Nach dem Brücken-Heiligen Johannes von Nepomuk, dessen jahrhundertealte Figur seit 1931 in der Nische des Milkauschen Neubaues steht, ist die Johannisgasse benannt. Am Anfange der Hospitalgasse stand von 1864-1885 das Hospital.

Den Zugang zum Mühlenteich, der sich einst auf den Daumschen Wiesen ausdehnte, bildete die Fischergasse. Bischofsburger Bürger hatten von Anfang an das Recht, in der Dimmer und im Mühlen-teich zu fischen. Wasser- und Feuergasse führten zu den Schöpfstellen, an denen die Wasserküwen gefüllt wurden.

Die Rosengasse erhielt ihren Namen nach einem Rosengarten, der sich auf der Stelle des späteren Adolf Bischofschen Mühlengrundstücks ausbreitete. Die Töpfergasse hatte von dem einst hier betriebenen Gewerbe, die Gartenstraße nach den angrenzenden Gärten den Namen. In der Speichergasse wurden nach den Verwüstungen infolge des Russeneinfalls anstelle der früheren Vieh- und Pferdeställe Speicher errichtet. Die Bayrische Straße erinnert daran, daß München im ersten Weltkrieg die Patenschaft über die Stadt Bischofsburg übernahm und 50 000 Mark zum Wiederaufbau spendete. In der Stiftsgasse stand das 1880 ins Leben gerufene evangelische Siechenhaus.

Die Ringstraße bildete einen Halbkreis. Ihr Name erinnert an die alten Bezeichnungen kleiner und großer Ring. Den "kleinen Ring" bildete der Straßenzug um das auf dem Markt stehende Gebäude, den "großen Ring" die Straßen: Ringstraße, St.-Florian-Straße (nach der Figur des Schutzheiligen gegen Feuergefahr im Giebel des Zywinaschen Hauses benannt), Markt, Bischof-Heinrich-Straße (Fürstbischof Heinrich III. gründete 1395 die Stadt), Spiringstraße (Spiring hieß der erste Bürgermeister der Stadt unter preußischer Herrschaft (1773-1802), Markt und Marktstraße.

In der Brunnenstraße befand sich vor dem Bau der Wasserleitung (1912/13) eine städtische Pumpe und ein Röhrenbrunnen. Die Feuerwehrstraße war früher eine Scheunenstraße, die sich bis in die Bismarckstraße hinzog. Südlich der Gerichtsstraße lagen ehemals beiderseits der Ortelsburger Chaussee die zu den Bürgerhäusern gehörenden Gärten, und zwar westlich die Roßgärten, östlich die Neusorgegärten. Zwischen Sportweg und Mühlenstraße verläuft die Triftgasse, auf der einst Pferde und Vieh aus den Ställen im Innern der Stadt auf die Weide getrieben wurden.

Von der langgestreckten, mit stattlichen Häusern bebauten Langgasse zweigten links die zum kleinen Felde und zum Krackssee führende Seestraße, rechts die Brauereistraße und die Straße Am Ehrenfriedhof ab. über die Mühlenbrücke gelangten wir zum Mühlendamm, dem alten Staudamm des Mühlenteichs, und weiter zur Allensteiner, Kasernen- und von-Mackensen-Straße (Mackensens Korps hatte am Sieg bei Sauerbaum, am 26. August 1914, ruhmreichen Anteil) zur Richtstraße (nach der alten Richtstätte bei der Besitzung Bartsch benannt) und zum Budnerweg, an dem die zahlreichen Ackerstücke der Budner begannen.

Zwischen Mühlenteich und Richtstraße befanden sich ehemals eine Viehtränke, die Budnerbleiche und die Abdeckerei; zwischen Richt- und Mackensenstraße lagen der Sandberg, zu dessen Ausbeutung nur die Hufenbesitzer ein Recht hatten, und die den Budnern gehörende Lehmkau1e, aus der die Töpfer ihren Bedarf an Lehm deckten. Die zweifellos erst nach dem Dänischen Kriege (1864) entstandene Bezeichnung Düppeler Schanzen ist vielleicht an die Stelle eines älteren Flurnamens getreten, der hier zu Kriegszeiten aufgeworfene Schanzen bezeichnete.

Wo die Gemarkungen von Bischofsburg, Neudims und von Rochlack zusammenstießen, lag an derRothfließer Chaussee der Galgenberg. Die 39 Morgen große Wiese zwischen Erdmannsdorf und Kahlberg wird auf der Flurkarte von 1823 als alter Teich bezeichnet.

Der Stadtwald lag innerhalb jenes 30 Hufen großen bischöflichen Waldgebietes, das Bischofsburg 1587 gegen das Stadtdorf Schönbruch eintauschte. Der Festplatz im Stadtwald war über hundert Jahre hindurch eine Stätte bürgerlicher Fröhlichkeit, auf dem einst auch das Bürgerscheibenschießen stattfand.

1910 wurden die drei Teile des städtischen Hufenwaldes, Labucher, Bredinker und Rudauer Waldteil, an den Staat verkauft und bildeten einen Teil der großen Sadlowoer Forst, deren Bezeichnung von einem im Norden der Stadt gelegenen, im 15. Jahrhundert zu Grunde gegangenen Gute Saddel herrührt.

Der Ursprung des Namens Neu Chatel ist unbekannt. Zum Dienstland des Bürgermeisters gehörte in früheren Jahrhunderten die links vom Wege nach Johannisberg am rechten Dimmerufer gelegene sechs Morgen 14 Quadratruten große Bürgermeisterwiese. Jeder erhielt u. a. jährlich zwei Fuder Heu von der Stalinger Wiese, die bis 1945 die alte Bezeichnung führte und in der Staatsforst unweit der Försterei Lindenhorst lag. Der Fürstbischof hatte sie 1521 der im Reiterkrieg bis "in den Grund abgebrannten" Stadt geschenkt.

Von Gr. Parleese bis südlich Schöndorf zog sich am Cholerakreuz vorbei die alte Schanze hin, ein Teil des großen vom Ritterorden im 14. Jahrhundert gegen die Einfälle der Litauer angelegten Verteidigungswerkes. Der fälschlich als Schwedenschanze bezeichnete Wall bei Kramarka dürfte zu derselben Art von Verteidigungsanlagen, die oft in mehreren Linien hintereinander angelegt wurden, gehören. Kramarka ist vielleicht eine polnische Nachbildung von Kronmarken; diese Bezeichnung wird an einer Stelle für die 1733 aus der städtischen Gemenge Wirtschaft ausgeschiedenen Pfarrhufen gebraucht. Das Cholerakreuz im Rudauer Walde erinnerte an die für Bischofsburg schlimmste Cholerazeit des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1866, als 197 Menschen der Seuche zum Opfer fielen.

Volkskundlich gesehen ist es wichtig und bedeutungsvoll, das alte Sprach- und Volksgut, das die Flurnamen darstellen, den kommenden Geschlechtern unvermindert zu erhalten.

Quelle: Robert Teichert in "Rößeler Heimatbote" Nr. 2 u. 3 aus 1958

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