Feldhandball in Bischofsburg...

Von Paul Kulbatzki

Die Vorstellung einer Stadt ist oft, sofern möglich, mit dem Hinweis auf Bedeutsames oder gar Historisches oder auch nur Erwähnenswertes verbunden. Letzteres liegt dieser Aufzeichnung zweckbetont zugrunde.

Vor dem letzten Krieg war neben dem Fussballspiel der Feldhandballsport eine publikums- und medienwirksame Sache, weil er sehr beliebt war und von einer breiten Schicht der Sportfreunde in Anspruch genommen worden ist. Die ältere Generation wird sich daran erinnern können.

Bischofsburg, die Kleinstadt im Ermland des früheren Ostpreußen, hatte eine Garnison. Ihr entstammte die Militär-Feldhandballmannschaft "Hindenburg Bischofsburg". Diese Mannschaft war über Jahre hinaus sehr erfolgreich. Sie wurde Meister des Gaues (damalige Bezeichnung für Provinz, heute Land) Ostpreußen. Rundfunk (Reichssender Königsberg mit dem Landessender Danzig) und Presse berichteten während der ganzen Saison über die gesamten Spiele in Ostpreußen, so dass überall dort der Name Stadt Bischofsburg auftauchte und zum Begriff wurde.

Bei den Spielen um die deutsche Feldhandballmeisterschaft, beispielsweise in Leipzig, Minden, Berlin, Magdeburg, wurde der Städtename Bischofsburg über die Grenzen Ostpreußens hinaus in das Deutsche Reich getragen und gewann somit auch dort einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Mit Ausbruch des Krieges 1939 hat sich diese, die Stadt Bischofsburg so eindrucksvoll repräsentierende Sportmannschaft zwangsläufig aufgelöst.

Sie bestand aus den Spielern:

Bunnenberg, Gleiß, Moritz, Bormann, Ziganke, Augustin, Jander, Krumm, Zilla, Hein, Jordan, Bradtka.

Für die Bischofsburger Sportjugend galt es, ihren Vorbildern nachzueifern und die Feldhandballtradition fortzusetzen. Es bildeten sich männliche und weibliche Mannschaften, die mit gutem Erfolg spielten und damit dafür sorgten, dass in weiten Teilen Ostpreußens die Stadt Bischofsburg bekannt blieb.

Der Verfasser schätzt sich auch heute noch glücklich, 1940 - 1942 der männlichen Mannschaft angehört und für Bischofsburg gespielt zu haben.

Es waren die Sportfreunde:

Erich Miodeck (gefallen), Helmut Gonska (gefallen), Clemens Sokolowski (gefallen), Werner Jenter, Ernst Steffin, Jutz Jeschinowski (gefallen), Rudi Hinz, Hans Kozalla, Paul Klein (gefallen), Max Pallasch (gefallen), Norbert Pötsch, Paul Kulbatzki.

Von der weiblichen Mannschaft wurde die Stadt Bischofsburg anfangs vertreten durch:

Hildegard Lange, Ursel Pallasch (verstorben), Irmgard Plotzki, Lene Pötsch, Walli Szigel (verstorben), Waltraud Woppmann, Hildegard Maletzki, Liesel Krogull, Hildegard Sokolowski (in Rußland verstorben), Lotte Bahr, Ursula Keresling, Erika Steffin.

Ja, auch das war Bischofsburg!

Paul Kulbatzki, Freiherr-vom-Stein-Straße 10, 42579 Heiligenhaus


Aus: "Rößeler Heimatbote" 4/94:

Das ist die Mannschaft des WSV "Hindenburg" Bischofsburg 1938/39, der Handball-Gaumeister Ostpreußens. Von links: Zilla, Ziganke, Augustin, Westenrieder, Obermann, Bunnenberg, Jander, Hein, Moritz, Loichen, Borrmann.

 
Günther Jander, Stiftswaldstr. 51, 67657 Kaiserslautern, schickte dieses Erinnerungsfoto aus der Sportgeschichte Ostpreußens 1994 an den "Rößeler Heimatboten" und schrieb dazu: 'Die Mannschaft Hindenburg Bischofsburg war bereits in den Jahren 1935/36 und 1937/38 Ostpreußen-Handballmeister. Als Gaumeister 1938/39 nahm die Mannschaft 1939 vor Kriegsbeginn an den Vorrundenspielen zur deutschen Handballmeisterschaft teil mit Spielen gegen die Meister von Brandenburg/Berlin "Elektra Berlin", Pommern/Mecklenburg "Flak Stettin", Schlesien "Borussia Karlowitz (Breslau)", und gegen den damaligen amtierenden Deutschen Meister aus Sachsen "MTSV Leipzig". Der Mannschaftskapitän und Spielführer Zilla von "Hindenburg" war dreifacher Nationalspieler. Durch die Erfolge der Bischofsburger Mannschaft erhielt der Handballsport im Kreisgebiet und vor allem bei der Jugend großen Auftrieb, zumal auch andere Sportvereine durch die Abstellung von Trainern unterstützt wurden.

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